VERHALTEN UND BENEHMENDES PROPHETEN MOHAMMED (s.)
(SIRA-I-NABAWI) von Märtyrer Ayatollah Murtadha Motahhari

Teil IV

GOTTESFURCHT UND ANGST

Ein anderer Umstand für die Einladung zum Islam ist das Problem der Gottesfurcht und der Angst. Der Heilige Qur’an sagt: "... die Allahs Botschaften ausrichteten und Ihn fürchteten und niemanden außer Allah fürchteten."

(Heiliger Qur’an, Sure 33, Vers 39

Dies ist einer der Verse des Heiligen Qur’an, die den Rücken mit der schweren Bürde der Verantwortung brechen. Der Qur’an-Vers erklärt, dass die Verkünder der Religion, welche die Botschaft Gottes den Leuten übermitteln, im Kern zwei Eigenschaften haben sollten. Zunächst sollten sie Gottesfurcht haben:

Und daher fürchten Allah nur diejenigen, die mit Weisheit begabt sind. (Heiliger Qur’an, Sure 35, Vers 28)

Die Gelehrten und Weisen unter seinen Dienern fürchten Allah alleine.

Eines der Gebete des Heiligen Propheten wird empfohlen, in der Nacht des 15. Schaban[1], des Geburtstages des zwölften Schiitischen Imam Muhammad Mahdi, zu rezitieren und es lautet folgender­maßen:

"O Gott ! Gib uns Gottesfurcht, damit sie zwischen uns und dem Bösen stehe; und gib uns Gottesknechtschaft, damit sie uns zu deinem Paradiese führe; und gib uns Gottesglauben, so dass wir mit Leichtigkeit die Härten dieser Welt tragen."[2]

Ein Verkünder sollte selber Gott erfürchten in einer Weise, dass die Gottesfurcht und die Großartigkeit Gottes sein Herz überwältigen sollten, so dass er im gleichen Augenblick, da er etwas Falsches tun will, kontrolliert und gezügelt wird.

Die zweite Eigenschaft eines Verkünders ist, niemanden als Gott zu fürchten.

Unterschied zwischen Gottesfurcht und Angst

Es gibt eine Nuance oder einen Unterschied zwischen Gottesfurcht und Angst. Angst betrifft die eigene Zukunft und das eigene Ende. Gottesfurcht ist ein Zustand des Gemüts, in dem man nicht wagt, Falsches zu verüben. Der Heilige Qur’an sagt, dass die Verkünder der Sache Allahs Gott so sehr fürchten, dass sie nicht wagen, Falsches zu tun, und sie zeigen nicht den geringsten Ungehorsam gegenüber Gott. Andererseits, wenn sie gegen jemand anders als Gott antreten, sind sie ganz tapfer und kühn.

Standhaftigkeit

Ein anderes Merkmal der Propheten und besonders des Propheten Mohammed (s.) ist ihre Standhaftigkeit und Kühnheit.

Ein westlicher Schriftsteller schrieb ein Buch mit dem Titel "Muhammad (s.), a Prophet, whom we should know again" (Mohammed (s.) , ein Prophet, den wir wieder kennen sollten). Das Buch hat zwar Ungereimtheiten, aber es enthält zwei erwähnens­werte Punkte. Die zwei Punkte sind im Buch gut dargestellt worden, und wahrscheinlich war kein anderes Buch fähig, sie so gut zu schildern. Der erste Punkt betrifft die Merkmale des Heiligen Propheten Mohammed (s.), nämlich Taktgefühl und große Weisheit, was selbst von Nichtmuslimen nicht geleugnet werden kann. Das zweite Merkmal ist seine Standhaftigkeit, d h. er war unter allen Umständen hartnäckig in seinen Entscheidungen und politischen Schachzügen. Viele Geschehnisse während seiner Zeit schienen offensichtlich so pessimistisch, dass jeder andere die Hoffnung verloren hätte und aufgegeben hätte, aber der Heilige Prophet Mohammed (s.) blieb standhaft und fest wie ein Berg.

Ermahnung

Das andere Thema bei der Einladung und Verkündigung ist das Thema des Hinweises (Ermahnens). Der Heilige Qur’an erwähnt dies:

Fahre aber fort zu ermahnen, denn Ermahnung nützt den Gläubigen.

(Heiliger Qur’an Sure 51, Vers 55)

Ein anderer Qur’an-Vers besagt:

Kehren sie sich (vom Glauben) ab, so haben Wir dich nicht als deren Wächter entsandt. Deine Pflicht ist nur die Verkündigung.
(Heiliger Qur’an, Sure 42, Vers 48)

Denken und Ermahnen hervorrufen

Zwei Themen werden im Heiligen Qur’an Seite an Seite erwähnt: Denken und Ermahnen hervorrufen.

Das Denken hervorrufen (herausreizen) bedeutet, über etwas nachdenken, was man nicht weiß und etwas entdecken, was man nicht kennt.

Ermahnen bedeutet, etwas ins Gedächtnis rufen, was man schon weiß. Mit anderen Worten, es gibt zwei Geisteszustände gegen Unwissenheit und Schläfrigkeit. Zuweilen kennt jemand eine Umge­bung nicht, denn er ist unbewusst und nicht aufgeweckt. Zuweilen kennt jemand sein Umfeld nicht, denn er ist in einem Zustand des Schlafens oder Traumes und daher kann er sein Wissen nicht nutzen. Das ist offensichtlich ein Zustand des Traumes. Gott ermahnt seinen Heiligen Propheten, dass er nicht allein gegen unwissende Leute antritt, sondern auch gegen nachlässige Leute. Dann befielt Gott ihm, das Denken in den Unwissenden zu provozieren, damit sie Wissen erwerben, aber er soll die Nachlässigen und Ungebildeten ermahnen. Die Leute sind allgemein nachlässig, aber (total) verdummte gibt es wenige. Gott sagt dem Propheten, er solle jene ermahnen, die nachlässig sind, und er solle das Denken in jenen provozieren, die unwissend sind, so dass sie bewusst werden und ihre eigenen Probleme anpacken. Angenommen, ein Mann schläft, und sein Zug will abfahren. Wenn du solch einen Mann aufweckst, wird er eilig zum Zug rennen, und du brauchst ihn nicht an die Nachteile des Weiterschlafens zu erinnern. Die verborgenen Gefühle sind ebenfalls so. Der Heilige Prophet kam, um solche Gefühle wachzurufen. Der Glaube erhebt sich durch die Wachsamkeit der verborgenen Gefühle des einzelnen, und daher gibt es im Islam keinen Zwang im Glauben.

Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen. Wer nun an die Götzen nicht glaubt, an Allah aber glaubt, der hat gewiss den sichersten Halt ergriffen, bei dem es kein Zerreißen gibt. Und Allah ist Allhörend, Allwissend..

(Heiliger Qur’an, Sure 2, Vers 256)

Es gibt keinen Zwang in der Religion, und was der Prophet anstrebt, ist Glaube, nicht eine scheinbare, aufgesetzte Religion. Bekenntnis ist Glaube, Interesse und Neigung und das kann nicht durch Gewalt erreicht werden. Der richtige Weg ist die faire Ermahnung und der Appell an die Weisheit (siehe dazu Heiliger Qur’an, Sure 16, Vers 125).

Imam Ali (a.) sagte einstmals: "Fragt mich, bevor ihr mich verliert! O Leute, stellt mir jede Frage, und ich werde sie beantworten! Ich kenne die Antworten für die kosmischen Prozesse besser als für die irdischen Prozesse."[3] An dieser Stelle erhob sich protestierend ein arabischer Jude und sagte ungebührlich: "Du arroganter Mann ! Du behauptest Dinge zu wissen, die du nicht weißt. Kannst du jede gestellte Frage beantworten?" Einige der Gefährten Imam Alis wollten den Juden grob zurechtweisen, aber Imam Ali stoppte sie und sagte: "Die Gotteswege können nicht durch Gewalt gebahnt werden. Falls dieser Mann Fragen hat, so möge er sie stellen. Wenn ich seine Frage beantworte, wird er sich seines groben Verhaltens schämen und wird sich ändern."

Der Schlüssel, um mit Weisheit die göttliche Erkenntnis zu erlangen und zu begründen, ist Edelsinn und der Appell ans Herz, an die Seele und an das Denken. So sollte die Einladung sein.

Wann immer Imam Hussein auf einen Feind stieß, kämpfte er tapfer. Aber wenn er mit Leuten zu tun hatte, die er zum rechten Pfade hinleiten wollte, war er demütig und war nachsichtig zu ihrer mangelnden Aufmerksamkeit.

Viele stellen die Frage auf, ob der Aufruf zu Gott im Islam auf Zwang oder freien Willen gründet. Das ist ein Thema, auf dem christliche Priester herumreiten, um den Islam zu kritisieren und sie nennen den Islam "eine Religion des Schwertes". Irrigerweise betrachten sie den Islam als eine Religion, die nur auf Gewalt baut. Aber der Heilige Qur’an sagt:

Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung auf, und streite mit ihnen auf die beste Art. ...

(Heiliger Qur’an, Sure 16, Vers 125)

Selbst in einigen ihrer Bücher haben die christlichen Priester Kari­katuren, die einen Mann abbilden, der in der Hand den Heiligen Qur’an hat und ein Schwert in der anderen, während er über jeman­dem steht, was impliziert, dass man entweder den Islam annimmt, oder man verliert seinen Kopf. Unglücklicherweise sagen einige ungebildeten Muslime Dinge, die mit der Historie nicht verträglich sind, noch mit dem Heiligen Qur’an. So bestätigen sie die Kritik des Feindes.

Diese ungebildeten Muslime missdeuten Dinge und erwähnen, was nur teilweise wahr ist, sie überdenken nur einen Aspekt des Islam, und so liefern sie den Feinden Vorwände. Sie verurteilen beispielsweise den Islam, indem sie sagen, zwei Faktoren hätten zum Siege des Islam geführt: Der Reichtum der Khadidscha (Mohammeds (s.) erste Frau) und das Schwert Alis. Merkt die Worte: Reichtum und Gewalt! Wenn sich eine Religion nur durch Reichtum und Gewalt ausbreitet, was wäre das dann für eine Religion?

Der Heilige Qur’an erwähnt kein einziges Mal, dass der Islam so voran schritt. Zweifellos half der Reichtum der Khadidscha bei der Verkündigung des Islam, aber das bedeutet nicht, dass Gold an Leute gezahlt worden wäre, damit sie Muslime werden. Khadidscha verhielt sich niemals so, aber sie gab all ihr Eigentum dem Heiligen Propheten (s.), um bedürftigen Muslims in ihrem täglichen Existenz­kampf zu helfen. Khadidscha war eine reiche Frau, verglichen mit anderen, aber sie war keine Kapitalistin, keine Millionärin, wenn man heutige Begriffe verwenden will, Mekka war damals eine Kleinstadt, und wäre nicht der Reichtum der Khadidscha gewesen, so hätte wahrscheinlich die Armut die Muslime liquidiert. Der Reichtum der Khadidscha half aber nicht in dem Sinne, dass Leute bestochen wurden, damit sie Muslim werden. Der Reichtum rettete das Leben von muslimischen Armen.

Zweifellos half auch Imam Alis Schwert, den Islam auszubreiten. Wäre das Schwert Alis nicht gewesen, so hätte der Islam ein anderes Schicksal gehabt. Aber dies bedeutet nicht, dass Imam Ali mit seinem Schwert Leute zwang, Muslim zu werden. Im Gegenteil, das bedeutet: Der Feind wollte den Islam mit Gewalt ausrotten, aber Ali stellte sich ihm tapfer als Verteidiger des Islam entgegen. Um ein paar Beispiele zu geben: Die Schlacht zu Badr, die Schlacht zu Uhud, die Graben-Schlacht mögen erwähnt werden, wo das Schwert Imam Alis den Islam vor der Niederlage rettete.

Im Grabenkrieg, als die qureischitisch-mekkanischen Ungläubigen und ihre Verbündeten mit 10.000 die Muslime in Medina umzin­gelten und belagerten, waren die Muslime in einer schwierigen Lage. Die Umstände waren ökonomisch und sozial so schlecht, dass offen­sichtlich keine Hoffnung bestand.

Amru-bin-Abd-Wud und seine Gefährten belagerten den Graben, den die Muslims rund um Medina-Stadt ausgehoben hatten, und sie fanden eine Stelle, wo sie zu Pferde den Graben überspringen konnten, und sie traten gegen die Muslime an. Sie forderten Zweikämpfe heraus, aber nur der etwa 25-jährige Jüngling Ali erhob sich und bat den Heiligen Propheten um Erlaubnis, zum Zweikampf antreten zu dürfen. Der Heilige Prophet gab Ali nicht die Erlaubnis, denn er wollte den älteren Prophetengefährten (Sahaba) eine Chance geben. Amru-bin-Abd-Wud dagegen paradierte auf seinem Pferd und forderte einen Duellanten. Der Heilige Prophet forderte noch einmal die bewaffneten Sahaba auf, aber keiner wollte zum Zweikampf antreten. Ali bat nochmals um die Erlaubnis, aber der Heilige Prophet verweigerte sie wieder. Dies geschah mehr als dreimal und Amru-bin-Abd-Wud sagte etwas, was die Muslime bestürzte und ihre Ehre berührte. Er sagte: Ich bin müde vom Rufen, einen Duellanten zu verlangen, aber ich sehe niemanden. Gibt es denn keinen echten Mann unter euch? O Muslime! Ihr behauptet, eure Gefallenen würden ins Paradies eingehen und unsere Toten in die Hölle! Wenn dem so ist, wagt denn niemand gegen mich anzutreten, dass er mich töte und zur Hölle sende oder dass ich ihn töte und ihn ins Paradies befördere?"

An diesem Punkt sprang Ali hervor und sagte: "Sei nicht ungeduldig! Hier bin ich, dein Gegner und ich bin auch ein fähiger Krieger."

Omar ibn Khattab erfand eine Entschuldigung für die Muslime, die nicht zum Zweikampf anzutreten wagten; er sagte: "O Gottesgesandter! Wenn unsere Männer nicht zum Zweikampf antreten, dann ist es deswegen, weil sie wissen, dieser Herausfor­derer ist tausend Krieger wert. Jeder, der gegen ihn antritt, wird sicherlich getötet werden."[4]

Schließlich verkündete der Heilige Prophet: "Hier tritt der ganze Glaube des Islam gegen den ganzen Unglauben der Heiden an."

Dann stellte sich Ali dem Amru-bin-Abd-Wud zum Zweikampf und er tötete ihn. So wurde der Islam gerettet. Daher, wenn gesagt wird, Alis Schwert habe den Islam ausgebreitet und wäre das Schwert Alis nicht gewesen, dann hätte es keinen Islam gegeben, so meint man nicht, dass Imam Ali die Leute zwang, Muslim zu werden, sondern man meint: Wäre der Islam nicht durch Imam Alis Schwert verteidigt worden, so wäre der Islam durch die Feinde ausgerottet worden. Islam ist die Religion des Schwertes, aber ein Schwert, das immer bereit ist, die Muslime zu verteidigen, ihr Land und ihren Monotheismus.

Dieses Thema wurde gebührlich behandelt vom verstorbenen Ayatollah Tabatabai; er diskutierte die qur’anischen Verse über den Krieg und auch diesen Vers:

Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen.

(Heiliger Qur’an, Sure 2, Vers 256)

Ayatollah Tabatabai sagt: Wann immer der Monotheismus in Gefahr ist, will der Islam ihn retten, denn der Monotheismus ist der kost­barste humane Wert. Diejenigen, die über Freiheit und Unabhän­gigkeit daher reden, sind sich nicht bewusst, dass der Monotheismus der Freiheit weit überlegen ist. Wenn man das eigene Leben, seinen eigenen Besitz, die eigene Ehre und das eigene Land verteidigt, so ist das sicherlich das eigene Werk, aber einem unterdrückten Menschen beizustehen, ist viel heiliger. Denn dabei verteidigt man nicht das eigene Leben und Besitztum. Beispielsweise ist es ehrenwert, das Wissen und die Gelehrsamkeit zu verteidigen. Auch der Mono­theismus bezieht sich nicht auf eine bestimmte Person, sondern auf die gesamte Menschheit. Er ist ein Teil der menschlichen Natur, und das menschliche Denken lenkt ihn niemals gegen den Monotheismus. Der Heilige Qur’an sandte Richtlinien, um den Monotheismus von den Faktoren zu befreien, die ihn zum Verschwinden bringen. Sind diese beseitigt, zeigt sich der Monotheismus selbst.

In der Geschichte über Abraham sagt der Heilige Qur’an:

Und vordem gaben Wir Abraham seine Rechtschaffenheit, denn Wir kannten ihn. Da er zu seinem Vater und seinem Volke sprach: «Was sind das für Bildwerke, denen ihr so ergeben seid?» Sie antworteten: «Wir fanden unsere Väter bei ihrer Verehrung.» Er sprach: «Wahrlich, ihr selbst sowohl wie eure Väter seid in offenbarem Irrtum gewesen.»  Sie sprachen: «Bringst du uns die Wahrheit, oder gehörst du zu denen, die Scherz treiben?» Er antwortete: «Nein, euer Herr ist der Herr der Himmel und der Erde, Der sie erschuf; und ich bin einer der davon Zeugenden. Und, bei Allah, ich will gewisslich gegen eure Götzen verfahren, nachdem ihr kehrend weggegangen seid.»  So schlug er sie in Stücke, (alle) außer ihrem Obersten, damit sie sich an ihn wenden könnten.  Sie sprachen: «Wer hat unseren Göttern dies angetan? Er muss fürwahr ein Frevler sein.»  Sie sprachen: «Wir hörten einen Jüngling von ihnen reden; Abraham heißt er.» Sie sprachen: «So bringt ihn vor die Augen des Volkes, damit sie urteilen.» Sie sprachen: «Bist du es, der unseren Göttern dies angetan hat, o Abraham?» Er antwortete: «Irgend jemand hat es getan. Ihr Oberster ist hier. Fragt sie doch, wenn sie reden können.» Da wandten sie sich zueinander und sprachen: «Ihr selber seid wahrhaftig im Unrecht.»Und ihre Köpfe mussten sie hängen lassen in bitterer Scham: «Du weißt recht wohl, dass diese nicht reden.» Er sprach: «Verehrt ihr denn statt Allah das, was euch nicht den geringsten Nutzen bringen noch euch schaden kann? Pfui über euch und über das, was ihr statt Allah anbetet! Wollt ihr denn nicht begreifen?» Sie sprachen: «Verbrennt ihn und helft euren Göttern, wenn ihr etwas tun wollt.» Wir sprachen: «O Feuer, sei kühl und ohne Harm für Abraham!» Und sie strebten, ihm Böses zu tun, allein Wir machten sie zu den größten Verlierern.

(Heiliger Qur’an, Sure 21, Vers 51-70)

So beseitigte Abraham alle Hindernisse, und die Leute gewannen ihre eigene Natur wieder, indem sie ihren Fehler erkannten. Leute, welche die Götzentempel besuchen, äußern kein Wort gegen Götzenkult, denn der Mensch hat einen freien Willen, und er kann einer beliebigen Ideologie nachfolgen. Die Königin von Großbritannien beispielsweise reist nach Indien, um den Glaubensvorstellungen der Hindus Respekt zu zollen; aber solche Glaubensvorstellungen sind nicht Ideologie, sondern blindes Nachahmen der Vorväter und eine Kette des Aberglaubens, welche die Hände und Füße der Menschen fesselt.

Ein Mensch, der von Herzen spricht, wird die Herzen der anderen gewinnen. Wer aber nur mit seinem Mund spricht, dessen Worte werden nicht in die Herzen eindringen. In den Botschaften, die von Gottesmännern übermittelt werden, wird dieser Punkt klar beachtet, aber nicht in den Botschaften anderer Häuptlinge dieser Welt.

Jene Parsen, die von Iran nach Indien (Bombay) auswanderten, konnten dort die Zarathustra-Religion nicht ausbreiten. Der Islam ähnelt dem Christentum in einem Punkte, dass er seine Horizonte eröffnet, und der Islam blieb nicht auf die Arabische Halbinsel beschränkt, wo er entstand. Heutzutage hat sich der Islam in Asien, Afrika, Europa und Amerika und unter verschiedenen Völkern ausgebreitet, so dass die Anzahl der Muslime größer ist als die Anzahl der Christen. Die Christen versuchen zwar, die Anzahl der Muslime tiefer anzusetzen, und die meisten Statistiken kommen aus westlichen Quellen; aber exakte Nachforschungen zeigen, dass die Anzahl der Muslime größer ist als die Anzahl der Christen. Dieses Merkmal der schnellen Ausbreitung des Islam gilt nicht für das Christentum. Das Christentum hat sich sehr langsam ausgebreitet; aber die Ausbreitung des Islam war ungeheuer schnell in Arabien und woanders, in Asien, Afrika und in anderen Ländern.

Viele Forscher haben sich gefragt, wie sich der Islam so schnell ausbreiten konnte - so sehr, dass ein berühmter französischer Schriftsteller sagte: "Der Heilige Prophet des Islam war einzigartig in drei Aspekten: 

1.) Seine materiellen Mittel waren dürftig. Ein Mann steht auf und ruft die Leute zu Gott, während er keine Macht und Autorität hat, und selbst seine Stadtgenossen werden seine heftigen Feinde und stehen gegen ihn auf. Dieser Mann ist allein und hat keine Hilfe. Er startet alleine, ganz alleine. Sein Weib Khadidscha und sein Cousin Ali werden seine ersten Anhänger. Allmählich konvertieren mehr Leute zum Islam und leben unter schwierigen Bedingungen.

2.) Der Faktor der ungeheuer schnellen Ausbreitung und der Faktor der Zeit.

3.) Die Größe des Ziels: Betrachtet man die Wichtigkeit des Ziels und trotz der dürftigen Mittel, es zu erreichen, wurde das Ziel ungeheuer schnell erreicht - und deswegen sollten wir sagen, dass der Heilige Prophet des Islam einzigartig in der Welt ist."

Die Gründe für den Fortschritt des Islam

1.) Ein Grund für den Fortschritt des Islam waren vorzügliches Benehmen, Verhalten und Wesen des Heiligen Propheten Mohammed (s.) und wie er lebte.

2.) Der andere Grund war der Heilige Qur’an, der ein Wunder des Heiligen Propheten Mohammed (s.) war. Die einzigartige Schönheit, Tiefe und Attraktion des Qur’an beschleunigte die Ausbreitung des Islam.

3.) Die Persönlichkeit und die Führereigenschaft des Heiligen Pro­phe­ten Mohammed (s.).

4.) Einfluss der historischen Biografie des Propheten Mohammed (s.). Der Heilige Qur’an, Gottes Wort an den Propheten sagt:

Es geschieht um Allahs Barmherzigkeit willen, dass du zu ihnen milde bist; und wärest du schroff, hartherzig gewesen, sie wären gewiss rings um dich zerstoben. So verzeih ihnen und erbitte Vergebung für sie; und ziehe sie zu Rate in Sachen der Verwaltung; wenn du aber dich entschieden hast, dann setze dein Vertrauen auf Allah. Allah liebt die Vertrauenden.

(Heiliger Qur’an, Sure 3, Vers 159)

Dies zeigt, dass Mohammeds (s.) Verhalten ein Faktor war, der Menschen anzog. Jeder Führer, der heute zu Gott auffordern will, sollte ebenfalls so sanft und milde in seinem persönlichen Verhalten sein. Die Wichtigkeit dieses heiligen Verses ist, dass man als Individuum milde sei, aber nicht, was die Prinzipien anbelangt. Der Heilige Prophet (s.) war sehr streng, wenn es um Prinzipien ging, und darin zeigte er keine Flexibilität. Wenn aber jemand ihn beleidigte, so vergab er ihm freundlich, denn das war etwas, was sich auf ihn bezog. Aber wenn jemand die islamischen Prinzipien vorsätzlich verletzte, so behandelte ihn der Heilige Prophet mit Strenge.

Einstmals stoppte jemand den Heiligen Propheten und behauptete, dieser schulde ihm eine bestimmte Summe Geld, und er würde ihn nicht weitergehen lassen, wenn er nicht sofort die Geldsumme zurückerhalte. Der Heilige Prophet sagte: "Ich habe gar nichts dabei; aber selbst wenn ich etwas hätte, lass mich nach Hause gehen, damit ich dein Geld auftreibe." Der Mann sagte, er würde den Propheten keinen Schritt weitergehen lassen. Der Mann handelte heftig und ignorierte, wie milde sich der heilige Prophet verhielt, und der Mann zerrte den Propheten am Mantel, wickelte den Mantel um die eigene Brust, so dass die Brust des Heiligen Propheten gepresst wurde. Der Heilige Prophet war auf dem Wege zur Moschee und als die Leute bemerkten, dass er sich verspätete, gingen sie ihn suchen, und sie fanden einen Juden, der dem Propheten den Weg versperrte. Die Muslime wollten den groben Juden schlagen und bestrafen, aber der Heilige Prophet sagte: "Nein, ihr Leute, mischt euch nicht ein. Ich weiß, was ich mit meinem Freunde tun muss." Der Jude sah, wie milde der Prophet war und wurde auf der Stelle ein Muslim und sagte: "Du bist so mächtig und doch bist du so milde, und dies ist für einen gewöhnlichen Menschen nicht möglich. Ich bezeuge, dass sicherlich Mohammed der Gesandte Gottes ist und dass es außer Gott keinen Gott gibt."

Nach der Eroberung Mekkas betrat der Heilige Prophet diese Stadt; und eine Frau der qureischitischen Aristokraten hatte etwas gestohlen, und gemäß der islamischen Regeln würde ihr die Hand abgeschnitten. Die Frau war eine einflussreiche Qureischitin, und ihre Verwandten wollte sie retten und erinnerten den Heiligen Propheten daran, dass sie doch die Tochter eines hochangesehenen Mannes wäre, und würde man ihr die Hand abschneiden, so wäre doch die gesamte Sippe entehrt. Der Heilige Prophet sagte:

"Unmöglich! Ich kann die islamischen Regeln nicht aufheben. Wäre diese Frau kein Mitglied der Aristokraten, würdet ihr alle bekräftigen, dass sie bestraft werden müsse; aber nun sagt ihr, sie solle nicht bestraft werden, denn eine aristokratische Sippe würde entehrt werden. Wie kann ich ihr denn vergeben? Niemals ! Die Gesetze Gottes werden niemals aufgehoben, und keine Empfehlungen diesbezüglich werden angenommen."

Bei Prinzipien blieb der Prophet beharrlich, aber wenn seine persönlichen Interessen betroffen waren, war er äußerst milde und großzügig.

Imam Ali war sehr milde und freundlich in seinen praktischen Angelegenheiten, aber bei Prinzipien blieb er beharrlich und unnachgiebig. Wir meinen, das unsere Heiligen immer finster drein blickten und niemals lächelten, als ob Heiligkeit mürrisch sein oder streng sein müsse. Aber Imam Ali war ganz anders: er war sehr fröhlich und leutselig.

Warum muss ein Muslim grimmig sein? Ein gläubiger Muslim ist niemals so. Imam Ali (a.) sagte: "Ein Islam-Gläubiger hat Lächeln und Frohsinn auf seinem Gesicht und Kummer in seinem Herzen."[5]

Imam Ali hatte immer ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn er mit Leuten zu tun hatte. Wie der Heilige Prophet Mohammed (s.) scherzte er mit den Leuten, aber er riss keine sinnlosen Witze. Imam Ali war so frohgesinnt, dass einige Leute das für einen schwachen Punkt bei einem Kalif-Kandidaten hielten, denn sie meinten, ein Kalif müsse grimmig sein, und die Leute müssten vor ihm zittern.

Warum aber war der Heilige Prophet Mohammed (s.) nicht grimmig? Gott sagt über den Heiligen Propheten:

Es geschieht um Allahs Barmherzigkeit willen, dass du zu ihnen milde bist; und wärest du schroff, hartherzig gewesen, sie wären gewiss rings um dich zerstoben. So verzeih ihnen und erbitte Vergebung für sie; und ziehe sie zu Rate in Sachen der Verwaltung; wenn du aber dich entschieden hast, dann setze dein Vertrauen auf Allah. Allah liebt die Vertrauenden.

(Heiliger Qur’an, Sure 3, Vers 159)

In der Führungsrolle war der Prophet sanft und freundlich, nicht harsch und grob. Imam und Kalif Ali sagt über den zweiten Kalif Omar: "Dieser Mann steckte das Kalifat in eine Zwangsjacke, worin die Worte hochmütig waren und der Verkehr mit den Leuten grob war. "[6]

Ibn Abbas erzählt auch, dass er ein Problem mit Kalif Omar diskutieren wollte, aber er wagte es nicht, an Omar heranzutreten und er sagte: "Die Peitschehiebe Omars sind mehr gefürchtet als das Schwert des Hadschadsch."

Aber Imam Ali (a.) war sehr milde in seinen persönlichen Ange­legen­heiten; er war nur beharrlich, wenn Prinzipien am Werke waren. Einstmals bat ihn sein Bruder Aqil um finanzielle Hilfe. Imam Ali sagte, er würde ihn aus seinem eigenen Gehalt bezahlen. Aqil sagte: "O teurer Bruder ! Dein Gehalt ist sehr niedrig. Warum bezahlst du mich nicht aus dem Bait-ul-Mal (Gemeinwohlkasse)?" Aqil war blind. Ali befahl seinen Dienern, ein erhitztes Eisenstück herbeizuschaffen und er forderte Aqil auf, es zu ergreifen. Agil dachte, es wäre ein Beutel Geld vor ihm, und so griff er zu, und seine Hand bekam Brandblasen. Er rief und jammerte. Imam Ali sagte dann: "Klagende Weiber mögen über dich, o Aqil, jammern ! Du schreist wegen dieses Eisenstücks, das Männer spaßeshalber heiß gemacht haben; aber dabei willst du mich ins Höllenfeuer treiben, das Allah der Mächtige für seinen Zorn bereitet hat."[7]

So war Imam Ali milde in seinen persönlichen Angelegenheiten, aber streng, wenn es um die Ausführung der Gesetze Gottes ging. Kalif Omar war grob, selbst zu seiner Ehefrau und zu seinem Sohn; aber bei der Ausübung von Prinzipien war er schwankend. Die unbillige und ungerechte Verteilung des Bait-ul-Mal (Gemeinwohl­kasse) begann während des Kalifats Omars. Er handelte gegen die Prinzipien des Heiligen Propheten Mohammed (s.), und er gründete seine Entscheidungen auf Opportunismus und persönliche Beziehungen.

Der Heilige Prophet war so freundlich und milde zu den Muslimen, dass sie alle ihn liebten. Eine Frau kam zu ihm und sagte: "O Prophet Gottes! Nimm mein sechs Monate altes Baby auf deinen Schoß, so dass es ein gutes Schicksal in Zukunft haben wird, und bete für das Baby." Der Heilige Prophet tat das. Szenen wie diese passierten öfters und die Babies urinierten zuweilen auf den Schoß des Propheten. Ihre Eltern waren darüber bekümmert und traten unruhig auf der Stelle, aber der heilige Prophet sagte nur dazu:

"Lasst die Babies in Ruhe!"

Räte und Beratungen

Ein anderer Aspekt des Edelsinns des Heiligen Propheten war seine Beratschlagung mit anderen. Der Heilige Prophet brauchte an sich keinen Rat von anderen, aber er tat so, um dieses Prinzip jedem Machthaber nach ihm aufzuerlegen, damit dieser sich nicht anderen überlegen fühle und auf Rat und Beratung nicht verzichte. Überdies, wenn der Heilige Prophet seine Anhänger konsultierte, so stärkte er die Moral unter ihnen und erhob ihr Prestige. Wenn ein Führer seine Anhänger nicht konsultiert, selbst wenn er sich seiner eigenen Entscheidung hundertprozentig sicher ist, werden sich seine Anhänger unterlegen und dürftig vorkommen. Wenn sie aber konsultiert werden und in die Entscheidungsfindung eingebunden werden, werden sie sich ihrer Persönlichkeit bewusst werden, und sie werden besser gehorchen.

Der Heilige Qur’an sagt:

und ziehe sie zu Rate in Sachen der Verwaltung; wenn du aber dich entschieden hast, dann setze dein Vertrauen auf Allah. Allah liebt die Vertrauenden.

(Heiliger Qur’an, Sure 3, Vers 159)

O Prophet! Sei vorsichtig, damit deine Konsultationen nicht zur Unentschlossenheit führen. Konsultiere, bevor du Entscheidungen triffst; aber hat das Oberhaupt einmal eine Entscheidung getroffen, so vertraue in Gott und bitte ihn, dir zu helfen.

Die obigen Prinzipien wurden erwähnt hinsichtlich des Prinzips, Gott zu rufen und Gott zu verkünden. Eins der Prinzipien der Verkün­digung ist Freundlichkeit, Milde, Leutseligkeit und das Vermeiden jeder Gewalt, Härte und Zwanghaftigkeit. Das Thema der Führerschaft, natürlich, ist etwas anderes, das wir getrennt ausführlich behandeln sollten.

[Das Original-Manuskript bricht aufgrund des Martyriums von Motahhari hier ab! Hossein Vahid Dastjerdi, der Bearbeiter des Motahhari-Textes, erlaubt sich diese abschließende Fußnote und Bemerkung: 

Es ist sehr schade, dass kriminelle Heuchler ihn zum Märtyrer machten und diesen großen Gelehrten von uns wegnahmen. Gott strafe sie!]


[1] Name eines Monats im islamischen Mondkalender

[2] Quelle: Mafatih-al-Dschanan

[3] Quelle: 2. und 3. Safinat-al-Bihar, Band. 1, S. 286; New Bihar, Band 40, Vers 139

[4] Quelle: Sira-i-Halabi, Vol. II, p. 335- 345; Mustadrak Hakem, Vol. III, S. 33, Alanta, S. 240

[5] Quelle: Nahdsch-ul-Balagha, Spruch Nr. 333

[6] Quelle: Nahdsch-ul-Balagha, Rede 3

[7] Quelle: Nahdsch-ul-Balagha, Rede 222