Bevor diese Diskussion abgeschlossen wird, sei hier auf einige weitere Überlieferungen, welche die omayyadischen Gewaltherrscher und ihre Armeen verherrlichen sollten sowie auf die dazugehörigen Aspekte hingewiesen.
Abu Huraira behauptet in seinen Erzählungen, er wäre bei Ala bin Hasrami gewesen, als dieser mit einer Streitkraft von viertausend Mann gegen Bahrain geschickt wurde. So marschierten sie, bis sie einen Meeresgolf erreichten, den niemand zuvor überquert hatte und nachher überqueren würde. Da ergriff Ala den Zügel seines Pferdes und lief über den Wasserspiegel, und die Armee folgte ihm nach. Abu Huraira fügte hinzu: "Bei Allah, kein Fuß, kein Schuh, kein Huf wurde naß".
Bemerkungen
Wenn diese Erzählung wahr wäre, dann hätte jeder Krieger dieser Streitkraft, die aus immerhin viertausend Prophetengefährten bestand, sie wohl erzählt, und sie hätte eine ungebrochene Kette von Weitererzählern gehabt. Aber tatsächlich ist diese Erzählung nur auf Abu Huraira gestützt. Wie schade!
In einer Erzählung über einen sogenannten Miswad (Proviantbeutel) erzählt Abu Huraira Dinge, für die ihn die ersten drei Kalifen bestraft hätten, wenn er es zu ihren Lebzeiten ausgebrütet hätte. Abu Huraira sagte:
"Ich stieß auf drei Unglücke im Islam, die ohnegleichen sind. Der Tod des Propheten Gottes, und ich war sein demütiger Gefährte; und dann die Ermordung (des dritten Kalifen) Osman; und dann der Verlust von Miswad. Die Leute fragten, was Miswad wäre. Abu Huraira sagte: "Wir waren mit dem Propheten Gottes auf einer Reise, als er mich fragte: "Hast du etwas dabei?" Ich sagte: "Eine Dattel in meinem Proviantbeutel." Der Prophet sagte: "Hol die Dattel heraus." Ich nahm die Dattel heraus und gab sie ihm. Er berührte sie, betete über sei und sagte: "Rufe zehn Männer!" Ich rief noch zehn Männer, und sie aßen, bis sie satt waren. Danach wurde die gleiche Sache getan, bis die gesamte Armee gegessen hatte, und dennoch blieb diese einzige Dattel bei mir im Proviantbeutel. Dann sagte der Prophet: "O Abu Huraira, wann immer du etwas von der Dattel essen willst, lege sie in deine Hand und zögere nicht." So aß ich von der Dattel im gesamten Leben des Heiligen Propheten, im gesamten Leben Abu Bakrs, im gesamten Leben Omars und im gesamten Leben Osmans; aber als Osman getötet wurde, wurde ich des Miswads beraubt, und dessen, was in meiner Hand war. Soll ich euch erzählen wie viel ich von der einzigen Dattel aß? Ich aß von ihr mehr als zweihundert Kamel-Traglasten."
Bemerkungen
Es gibt keinen Zweifel, dass der Heilige Prophet Muhammad (s.) zu mehreren Gelegenheiten große Scharen durch knappe Lebensmittel speiste, und dies wurde als die Zeichen und Wunder seines Prophetentums und als Beweise seiner Mission gezählt. Nichtsdestotrotz ist dieses Hadith eine Erfindung Abu Hurairas, mit dem Ziel den Omayyaden zu dienen, indem sie ein Wehgeschrei über die Ermordung Osmans einstimmten und sein blutverschmiertes Gewand und den abgetrennten Finger seiner Ehefrau ausstellten, und das brachte die Massen zum Weinen und Klagen über Osman, was dann später Muawiya als Vorwand zum militärischen Aufstand gegen den vierten Kalifen missbrauchte. Daher ist es auch bezeichnend, dass das hier angegebene angebliche Wunder (welches außer Abu Huraira auch niemand miterlebt hat) nach dem dritten Kalifen abreißt.
Abu Huraira scheint einen Beutel weit größer als seinen Proviantbeutel gehabt zu haben, und daraus entnahm er ein Hadith nach dem anderen mit einem beliebigem Typ, Text und beliebiger Art, wann immer er wollte und wie immer er wollte. Gewiss, die wundersamen Geschichten Abu Hurairas sind zu zahlreich, als dass sie in einem einzigen dicken Buchband enthalten sein könnten.
Abu Huraira pflegte selbst jene Hadithe, die er durch Vermittler erhielt, direkt (und ohne Vermittler) dem Heiligen Propheten Muhammad (s.) zuzuschreiben, was eine klare Verletzung der Hadithintegrität bedeutet. Mit anderen Worten, er machte keinen Unterschied zwischen dem, was er direkt vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) hörte und dem, was er durch andere hörte. Für eine seriöse muslimische Hadithforschung wäre allein dieser Tatbestand allen Zweifel wert, denn selbst wenn man aus dogmatischen Gründen an der Glaubwürdigkeit Abu Hurairas festhielte, so kann nichts über die Glaubwürdigkeit des Vermittlers gesagt werden, da dieser gänzlich unbekannt bleibt!
Ein Beispiel hierzu ist Abu Hurairas bereits behandeltes Hadith, dass der Heilige Prophet Muhammad (s.) angeblich zu seinem Onkel Abu Talib sagte:
"Sage: Kein Gott außer Gott. Und ich bin Zeuge für dich am Tage des Gerichts....." usw.
Es ist allseits bekannt, dass Abu Talib zwanzig Jahre, bevor Abu Huraira aus seinem Heimatland Jemen nach Medina im Hidschas kam, starb, und daher kann er diese Worte des Propheten damals nicht direkt gehört haben, aber Abu Huraira erzählte sie, ohne den Vermittler zu erwähnen, als ob er den Heiligen Propheten Muhammad (s.) mit seinem Onkel Abu Talib reden gehört und er die Worte tatsächlich gehört hätte. Allein diese Tatsache verdeutlicht, dass auch bei der Einstufung der Überlieferungen Abu Hurairas eine Art "Unantastbarkeit" gewährt wurde, welche die eigenen Maßstäbe zur Einstufung von Überlieferungen über den Haufen wirft.
Darüberhinaus erzählt Abu Huraira, dass als der Qur'an-Vers "Und warne deine nahen Verwandten" geoffenbart wurde, der Heilige Prophet Muhammad (s.) unter seinen Onkeln stand und sagte: "O Quraischiten, ich kann euch nicht vor Allah retten..."
Hier wiederum stimmen alle Gelehrten darin über ein, dass dieser Qur'an-Vers während der frühen Tage des Prophetentums offenbart wurde, noch vor der öffentlichen Mission. Aber damals war Abu Huraira noch im Jemen und noch kein Muslim, da er erst zwanzig Jahre nach der Offenbarung dieses Qur'an-Verses in den Hidschas kam. Wie kann er dann sagen: "Der Prophet stand auf und sagte..." , als sei er bei der Szene dabei gewesen und habe alles Geschehene bei der Gelegenheit mit seinen eigenen Augen gesehen und mit seinen eigenen Ohren alle Worte gehört, die dort ausgetauscht und geäußert wurden!?
In ähnlicher Weise sagte Abu Huraira: "Der Heilige Prophet Muhammad (s.) pflegte in seinem Qunut (Bittstelle des Gebets) zu beten: "O Allah, verzeihe Salma bin Hischam; o Allah, verzeihe Valid bin Valid; o Allah, verzeihe Ayyasch bin Abu Rabiah, o Allah, verzeihe den machtlosen Gläubigen (die von den Ungläubigen an der Auswanderung von Mekka nach Medina gehindert wurden)."
Hierbei ist allseits bekannt, dass die genannten Leute, für die der Heilige Prophet (s.) in seinem Qunut (Bittgebet nach dem zweiten Gebetsabschnitt) betete, in Mekka festgehalten wurden, und zwar sieben Jahre, bevor Abu Huraira zum Islam konvertierte, und sicherlich das Gebet zu jener Zeit erfolgte. Bei diesem Hadith tut aber Abu Huraira so, als habe er den Heiligen Propheten Muhammad (s.) in dem Qunut mit seinen eigenen Augen gesehen und die Worte des Gebets des Propheten mit seinen eigenen Ohren gehört.
Der große zeitgenössische Gelehrte unserer Tage, Muhammad Amin al-Misri, deutet auf diese Gewohnheit Abu Hurairas hin, wenn er sagt: "Es ist klar, dass sich Abu Huraira nicht auf das beschränkt, was er selber direkt vom Heiligen Propheten (s.) hörte, sondern er erzählte über den Heiligen Propheten (s.), was er durch andere empfing, als sei er selbst dabei gewesen."
Fürwahr, Abu Huraira gab selber diese Tatsache zu. Al er zum Beispiel dem Heiligen Propheten (s.) die Worte unterschob, wer im Zustand der größeren Unreinheit am Morgen sei, sollte nicht das Fasten halten, und die Frauen des Propheten Ayscha und Umm Salama widersprachen, warf Abu Huraira die Last auf Fadhl bin Abbas und gab zu, dass er den Ausspruch nicht vom Heiligen Propheten (s.) gehört habe, sondern von Fadhl. Unabhängig davon, ob Fadhls Überlieferung korrekt oder nicht korrekt ist, bleibt die Tatsache, dass Abu Huraira hier zugibt, dass er den Ausspruch von Fadhl gehört habe, und nicht direkt vom Heiligen Propheten Muhammad (s.), obwohl er es zunächst derart wiedergegeben hat.
Es mag zugunsten von Abu Huraira argumentiert werden, dass es nicht die Korrektheit eines Hadith beeinflusse, wenn er sie nicht direkt vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) erhalten habe, sondern durch einen Erzähler, solange letztendlich herauskomme, dieses Hadith sei vom Heiligen Propheten (s.). Dies ist allerdings keine gültige Verteidigung, denn die gesamte Hadith-Wissenschaft dreht sich um die Verlässlichkeit, Wahrhaftigkeit und Integrität aller einzelnen Hadith-Überlieferer, die bei der Weitervermittlung einer Hadith beteiligt sind, angefangen vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) bis hinauf zur letzten Stufe, in der das Hadith aufgezeichnet wurde. Es ist daher absolut notwendig für jeden, der ein Hadith nicht direkt vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) empfangen hat, dass er den Namen des Erzählers anzeigt, der das Hadith direkt vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) empfangen haben will, und ebenso die Namen all jener, die als Weitererzähler in der Kette gedient haben, bis hinauf zum letzten Berichterstatter. Dies ist notwendig, um die Wahrheit eines Hadith durch die Wahrhaftigkeit und Integrität der beteiligten Weitererzähler zu testen; und dies ist nicht möglich, wenn der Name eines einzigen Gliedes in der Erzählerkette unbekannt bleibt. Die Schlussfolgerung dieser Diskussion ist: Da Abu Huraira die Namen der Kettenglieder für sehr viele der von ihm erzählten Hadithe weglässt, müssen sie in Zweifel gezogen werden, es sei denn, sie werden durch eine andere ununterbrochene Erzählerkette bestätigt, wodurch ihre Wahrhaftigkeit korrekt geprüft und bestätigt werden kann. Als solche können die allein von Abu Huraira erzählten Hadithe, die er gar nicht selbst gehört haben kann, nicht als verlässlich und korrekt anerkannt werden. Bedauerlicherweise wurde genau dieser bei allen Rechtsschulen anerkannte Grundsatz bei Abu Huraira - vorsichtig ausgedrückt - sehr großzügig umgangen. Abu Huraira behauptete mehrfach, anwesend gewesen zu sein, was tatsächlich nicht möglich war. Allein diese Tatsache müsste zu weiteren Zweifeln an Abu Hurairas Worten führen.
Abu Hurairas exklusive Hadithe müssen daher bestenfalls als zweifelhaft eingestuft werden, weil er in einigen Fällen behauptet, anwesend gewesen zu sein, wobei er tatsächlich nicht anwesend war und auch wegen unleugbarer Gründe nicht dabei sein konnte.
Zum Beispiel sagte Abu Huraira: "Ich besuchte Ruqayya, die Tochter des Propheten Gottes, die Ehefrau Osmans, während sie einen Kamm in ihrer Hand hatte. Sie sagte: "Der Prophet Gottes ist gerade eben von mir weggegangen, nachdem ich sein Haar gekämmt hatte. Er sagte zu mir: "Wie findest du Abu Abdullah (gemeint ist hier Osman)?" Ich sagte: "Ganz gut!" Er sagte: "Erweise ihm Ehre, denn unter all meinen Gefährten ähnelt er mir am meisten in den Manieren."
Hakim berichtete dieses Hadith in seinem Werke Mustadrak, Band 2, Seite 48, mit der Bemerkung, dass die Quellen und Kettenglieder dieses Hadith zwar korrekt seien, aber der Hadith-Text sei absolut unglaubwürdig, denn Ruqayya starb bereits drei Jahre nach der Hidschra, zur Zeit des Sieges von Badr, aber Abu Huraira konvertierte zum Islam erst nach dem Siege zu Chaybar im siebten Jahre nach der Hidschra. Die gleiche Bemerkung über diese Hadith wurde von Sahabi im Buche Talkhis-ul-Mustadrak notiert. Neben der Unverschämtheit einer solchen Behauptung wird hier einmal mehr der Charakter dieser Überlieferung deutlich, denn hier erhält der dritte Kalif einen Beinamen, der sonst ausschließlich für einige Nachkommen des Propheten verwendet wurde!
Über die angebliche Vergesslichkeit des Heiligen Propheten Muhammad (s.) erzählte Abu Huraira: "Wir verrichteten das Mittagsgebet oder das Nachmittagsgebet mit dem Heiligen Propheten, als er das Gebet mit zwei Rakat (Gebetseinheiten) beendete. Daraufhin sagte Dhul Yadain zu ihm: "Hast du das (Pflicht) Gebet abgekürzt oder hast du vergessen?....."
Aber dieser Dhul Yadain wurde Märtyrer in der Schlacht zu Badr, eine lange Zeit, bevor Abu Huraira nach Medina kam und zum Islam konvertierte, wie wir es bereits früher aufgezeigt haben.
Wie oft pflegte Abu Huraira jauchzend zu sagen: "Wir eroberten Chaybar; aber wir bekamen nicht Gold oder Silber als Beute, sondern nur Schafe, Ziegen, Rindvieh, Kamele und geringwertige Sachen wie das...!" Aber es herrscht einmütige Übereinstimmung, dass er bei der Eroberung von Chaybar gar nicht dabei war. Deswegen haben die Kommentatoren zu den beiden Sahih-Werken von Buchari und Muslim auch die buchstäbliche Korrektheit seines Ausspruches "Wir eroberten Chaybar" bezweifelt, und sie konnten bestenfalls den Ausspruch auf die Muslime allgemein beziehen. Abu Huraira pflegte auch zu sagen: "Wir nahmen teil an der Schlacht zu Chaybar mit dem Propheten Gottes ... !" (Quelle: Buchari in seinem Sahih-Werk, Band 3, Seite 34). Es wurde bereits erwähnt, dass Abu Huraira bei der Schlacht zu Chaybar gar nicht anwesend war, da er erst nach dem Siege zu Chaybar von Jemen nach Medina kam und zum Islam konvertierte.
Abu Huraira sagte auch: "Ich sah siebzig Leute der Suffa, und keiner hatte ein Tuch auf seinem Leibe." Diese Geschichte bezieht sich auf eine besondere historische Gegebenheit. Diese siebzig Männer der Suffa im Arkadengang der Moschee in Medina erlangten in der Schlacht zu Be'r Ma'una den Märtyrertod, und das geschah im Monat Safar des vierten Jahres der Hidschra, lange bevor Abu Huraira den Islam annahm oder bevor er aus seinem Heimatland Jemen gekommen war. Wie kann er dann sagen, dass er sie sah?
Es wird auf diese Weise klar, dass Abu Huraira öfters vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) erzählt, was er nicht tatsächlich von ihm gehört hat, und er will auch dort gewesen sein, wo er tatsächlich nicht war. Es ist seltsam, dass die Autoren der Sahih-Werke ihre Bücher mit diesen Hadithen angehäuft haben, ohne diesen wichtigen Aspekt seines Verhaltens im Erzählen von Hadithen zu berücksichtigen, und sie prüften die Hadithe Abu Hurairas nicht gemäß den allgemein anerkannten Standards, die zum Auffinden von Erdichtungen und Phantasien angewendet werden. Und im allgemeinen folgen die Leute bestimmter Rechtsschulen unkritisch den Autoren der Sahih-Werke und übernehmen diese Hadithe, ohne ihre Wahrhaftigkeit und Korrektheit zu prüfen.
Selbst während der Lebenszeit Abu Hurairas verwarfen und hassten Leute seine Hadithe, denn er erzählte zu zahlreich und er schuf einen besonderen eigenen Stil, was Zweifel in den Köpfen der Leute hervorrief, und sie weigerten sich, die Hadithe zu akzeptieren, sowohl wegen ihrer Eigenschaft wie auch wegen ihrer unerklärlichen Unmenge.
Abu Huraira selber sagte in einem Ton der Bekümmernis und Hilflosigkeit: "Die Leute sagen, Abu Huraira erzähle zu viele Hadithe, aber man muss vor Allah hintreten. Sie sagen auch, dass die Muhadschirin (Auswanderer aus Mekka nach Medina) und die Ansar (die einheimischen "Helfer" in Medina) nicht so viel berichten." Hier zeigt er klar, dass sowohl die Unmenge wie die Eigenschaft seiner Hadithe von den Leuten nicht anerkannt wurden. Er warnt die Leute auch vor Allah und vor dem Tage des Gerichts, wenn alle Leute vor Gott hintreten müssen.
In einem anderen Ausspruch sagt er klar: "Aber nur wegen zweier Verse im Heiligen Qur'an berichtete ich euch überhaupt etwas, nämlich (Sure 7, Vers 159): "Wahrhaftig, jene die das verbergen, was Wir (Gott) von der klaren Leitung geschickt haben, nachdem Wir für die Menschheit klar im Buche gezeigt haben – jene verflucht Allah, und jene werden von den Fluchenden verflucht." Dies wurde sowohl von Buchari als auch von Muslim in ihren Sahih-Werken berichtet.
In die gleiche Richtung geht die Beobachtung durch Abu Sarin, der sagte: "Abu Huraira kam zu uns heraus, und er schlug seine Stirne mit der Hand und sagte: "Schaut her, wollt ihr Leute sagen, ich spreche eine Lüge im Namen des Heiligen Propheten, um euch Leitung zu geben, während ich selbst irregeleitet werde!?" Das bestätigt, dass bereits in der Frühzeit des Islam durch andere Ashab Zweifel an Abu Hurairas Aussagen aufkamen, was bei wahrhaftigen Überlieferern nicht bekannt ist.
Als Abu Huraira mit Muawiya in den Irak kam und die große Menge jener sah, die zu seinem Empfang gekommen waren, kniete er in der Moschee zu Kufa nieder, dann hustete er ein paar mal, damit die Leute ihm lauschen sollten, und als sich alle um ihn geschart hatten, sprach er sie an: "O Leute von Irak, denkt ihr denn, ich würde eine Lüge gegen Allah und Seinen Propheten sprechen und würde mich selbst verurteilen, im Höllenfeuer zu brennen..." Und dann fuhr er fort, alle Sorten von Schmähungen auf Ali (a.) zu werfen, nur um seinen eigenen Meistern und Alis Feinden zu gefallen, und seine Worte waren voller Falschheiten und Fantasien. (Quelle: Scharh Nahdschul-Balagha, Hamidi, von Abu Dschafar Askali, Band 1, Seite 359)
Ibn Qutaiba berichtete in seinem Buch Tawil-u-Mukhtalafil Hadith, Seite 27, dass Nisam sagte, Omar, Osman, Ali (a.) und Ayscha hätten Abu Huraira als Lügner bezeichnet. Selbst als er Nisam widersprechen wollte, musste Ibn Qutaiba zugeben:
Was Nisams Behauptung betrifft, Omar, Osman, Ali (a.) und Ayscha hätten Abu Huraira als Lügner bezeichnet, so ist die Tatsache doch, dass Abu Huraira für etwa drei Jahre in der Gesellschaft (Gefährtenschaft) des Heiligen Propheten Muhammad war, und die Leute haben sehr viele Hadithe von Abu Huraira. So brachte Abu Huraira mehr Hadithe als jeder andere Prophetengefährte, sogar mehr als jeder große Prophetengefährte – und deswegen tadelten die Leute Abu Huraira, nannten ihn einen Lügner und sagten: "Wie hast du alleine all dies gehört? Und wer noch hat mit dir zusammen dies gehört?"
Ayscha war die Eifrigste darin, Abu Huraira der Lüge zu bezichtigen, denn sie lebte sehr lange nach dem Propheten, zeitgleich mit Abu Huraira, der auch sehr lange lebte. Omar war ebenfalls barsch zu jedem, der viele Hadithe erzählte, ohne dass ein anderer sie bestätigte..." Auf diese Weise bestätigte Ibn Qutaiba das, was Nisam gesagt hatte. So wird deutlich, wie die Wahrheit letztendlich sich selbst offenbart.
Die großen Prophetengefährten und ihre Nachkommen nannten lebenslang immerzu Abu Huraira einen Lügner, und sie zögerten nicht, dies auszusprechen; aber die Massen der Muslime, die lange nach ihnen kamen, scheute sich, Abu Huraira einen Lügner zu nennen, denn sie hatte die offizielle und staatlich von den omayyadischen Herrschern verbreitete Doktrin, alle Prophetengefährten insgesamt wären gerecht gewesen, jeglicher Zweifel sei verboten, und sie erforschten nicht deren Verhalten, wie es festes Prinzip sein sollte. Auf diese Weise behinderten sie ihre Vernunft, zogen Vorhänge vor ihre Augen und verstopften ihre Ohren, und so wurden sie ein wirksames Bild des Verses des Heiligen Qur'an (Sure 2, Vers 18): Taub, stumm und blind ist er – darum findet er keine Umkehr (aus der Finsternis seines eigenen Geistes).
Jedoch haben die Anhänger der Ahl-ul-Bait unabhängig von derartigen Doktrinen und Vorurteilen die Prophetengefährten immer im Lichte ihres Wirkens geprüft und ihre Überlieferungen nach allgemein anerkannten Regeln beurteilt, unabhängig von Rang und Namen. So ist hinsichtlich Abu Hurairas ihre Meinung die gleiche Meinung wie die Alis, Omars, Osmans und der Ayschas, wie es oben erwähnt wurde, denn die Genannten erschienen ihnen in jeder Hinsicht glaubwürdiger als Abu Huraira.
Was die Ansichten einiger großer Gelehrter betrifft, seien sie nachfolgend wiedergegeben:
Imam Abu Dschafar Askali sagte: "Abu Huraira wird von unseren Oberhäuptern als ein Verrückter betrachtet, und er ist als Hadith-Erzähler nicht akzeptabel." Und er sagte auch: Kalif Omar schlug Abu Huraira mit einer Peitsche und sagte: "Du erzählst zuviel über den Propheten Gottes, und ich muss dich bekämpfen, weil du über den Propheten Gottes Lügen verbreitest."
Sufyan Sauri berichtete von Mansur aus Ibrahim-at-Timi, der
sagte:
"Die Leute akzeptieren nicht die Hadithe Abu Hurairas, außer jene über
Paradies und Hölle."
Abu Usama berichtet von Amasch, der sagt: Ibrahim war wahrhaftig in Hadithen; wann immer ich ein Hadith hörte, ging ich zu ihm und legte sie ihm vor. Eines Tages legte ich ihm mehrere Hadithe vor, die von Abu Ali erzählt werden, dann von Abu Huraira. Ibrahim sagte: "Entschuldige mich über Abu Huraira, da die Leute die meistem seiner Hadithe abzulehnen pflegten."
Es wurde von Ali (a.) berichtet, dass er sagte: "Der große Lügenbold unter den Menschen über den Heiligen Propheten Muhammad (s.) ist Abu Huraira Dusi." Und in einer anderen Version heißt es: "Der große Lügenbold unter den lebenden Menschen gegen den Heiligen Propheten Muhammad (s.) ist Abu Huraira Dusi." (Dusi ist der Name eines jemenitischen Stammes, dem Abu Huraira entstammte).
Abu Yusuf fragte einmal Abu Hanifa: "Falls wir auf ein Hadith über den Propheten Gottes stoßen, die unserer eigenen Meinung widerspricht, was sollten wir dann mit dem Hadith tun?" Abu Hanifa sagte: "Wenn das Hadith von verlässlichen Erzählern kommt, sollten wir sie akzeptieren und unsere eigene Meinung hinten anstellen." Dann sagte ich: "Was sagst du über Abu Bakr und Omar?" Er sagte: "Im Falle dieser beiden Männer verbiete ich euch eigene Meinung." Ich sagte: "Und Ali (a.) und Osman?" Als er sah, dass ich die Prophetengefährten einzeln nannte, sagte er: "Die Prophetengefährten sind alle gerecht, ausgenommen ein paar wenige." Dann nannte er die Ausnahmen: Abu Huraira und Anas bin Malik.
Kurz, bei genauerem Studium wird klar, dass Abu Hanifa und andere Begründer großer Rechtsschulen die Hadithe Abu Hurairas abzulehnen pflegten, wenn diese mit ihren eigenen Meinungen in Konflikt standen; dazu ein Beispiel: Abu Hanifa und alle Gelehrten stimmen darin überein, dass das rituelle Pflichtgebet ungültig wird, wenn es in Vergesslichkeit, oder in Unwissenheit gesprochen wird, oder unter dem Eindruck des Betenden, er habe das Gebet vorzeitig beendet. Die hanefitische Rechtsschule ist diesbezüglich eindeutig, und das Gebet ist in jenem Fall vollständig zu wiederholen. Das bedeutet, dass die Hanefiten keinen Wert auf das Hadith Abu Hurairas legen, worin der erzählt, dass der Heilige Prophet einstmals vergaß, ein Gebet mit vier Rakat vollständig zu beten und nur zwei Rakat betete, dann stand er von seiner Gebetsstelle auf und ging zu seiner Wohnung. Als er zurückkam, wurde zu ihm gesagt: "Hast du das Gebet abgekürzt oder hast du vergessen?" Er sagte: "Weder habe ich abgekürzt, noch habe ich vergessen." Die Leute sagten dann: "Aber du hast mit uns nur zwei Rakat verrichtet." Und nach einem Wortwechsel zwischen ihm und den Leuten glaubte er schließlich, was sie sagten. So fügte er dem vorigen angeblich unvollständigen Gebet mit zwei Rakat noch zwei Rakat in einem neuen Gebet hinzu und beendete damit das Gebet, und dann machte er Niederwerfung wegen der Vergesslichkeit.
Auf dieser Basis meinten die Gründer der anderen drei sunnitischen Rechtsschulen Imam Malik, Imam Schaf’i und Imam Ahmad Ibn Hanbal, dass vergessliches Sprechen während des Pflichtgebets oder die Meinung des Betenden, er sei nicht mehr mit dem Gebet beschäftigt, es nicht ungültig mache. Da jedoch Abu Hanifa das Hadith Abu Hurairas nicht akzeptiert, hält er das Pflichtgebet in solch einem Falle für ungültig und macht die vollständige Wiederholung zur Pflicht. Hier werden auch die Unterschiede in der Beurteilung derartiger Aspekte unter den Rechtsgelehrten der Rechtsschulen deutlich.
Bevor diese Diskussion geschlossen wird, geben wir nachfolgend ein paar Beispiele, die den Rang Abu Hurairas in der Sicht einiger Prophetengefährten aufzeigen und fassen das Vorherige zusammen:
Dies ist ein Hinweis darauf, dass Abu Huraira nicht unter jenen war, die vor Kalif Omar Hadithe erzählten, noch unter jenen, die Kalif Omar Hadithe erzählen sah oder hörte. Aber als der Kalif über andere von einigen Hadithen Abu Hurairas erfuhr und ihre Absonderlichkeit ihn befremdete, ließ er ihn rufen und warnte ihn vor solchem Tun mit dem Höllenfeuer.
Diese Tatsachen und weitere Einzelheiten der früheren zwei Hadithe Abu Hurairas können im Buche Tawil-o-Mukhtalafil Hadith von Ibn Qutaiba, Seite 27, nachgelesen werden.
Dies und die früheren Hadithe erschienen im Buche Tawil-u-Mukhtalafol Hadith von Ibn Quataiba, Seite 126.
Abu Huraira berichtete, dass der Heilige Prophet Muhammad (s.) sagte: "Wenn irgendjemand von euch vom Schlaf erwacht, sollt er seine Hände waschen, bevor er die Hand in irgendeinen Gebrauchsgegenstand hineinsteckt, denn niemand weiß, wo nachts die Hand gewesen ist (gemeint: die Hand könnte das Geschlechtsorgan berührt haben)." Ayscha widersprach diesem und wollte das nicht akzeptieren. (Quelle: Ahmad Amin im Buche Fadschrul Islam, Seite 259).
Was die über Jahrhunderte verbreitete und seit den Omayyaden staatlich gestützte Doktrin über die angebliche Wahrhaftigkeit aller Prophetengefährten und deren Erhabenheit über jeglichen Zweifel anbelangt, gibt es keinen Beweis, diese Doktrin zu stützen. Weder kannten die Prophetengefährten selbst eine derartige Doktrin, noch haben sich die Begründer der sunnitischen Rechtsschulen daran gehalten. Daher ist es auch historisch nicht akzeptabel, diese fehlerhaften Gedanken einer bestimmten Rechtsschule zuzuordnen, denn es ist vielmehr einem staatlichen Denken zuzuschreiben, welches eine falsche Gewaltherrschaft korrupter Kalifen und Sultane mit angeblichen Prophetenworten untermauern wollte. Aber selbst wenn die Korrektheit der Doktrin angenommen werden würde, so kann sie nur für die Prophetengefährten gelten, deren hohe Stellung, Ansehen und unzweifelhafte Treue zum Propheten nachgewiesen sind, aber nicht für jemanden, den Prophetengefährten wie Omar, Osman, Ali (a.) und Ayscha selbst als Lügner bezeichnet haben. Diese Doktrin gilt höchstens für den, gegen den keine klaren Beweise vorliegen; aber gegen Abu Huraira liegen gleich mehrere eindeutige Beweise vor.
Abu Huraira protestierte immer gegen jene, die ihn einen Lügner nannten oder Fehler bei ihm fanden. Er sagte: "Die Leute sagen, dass Abu Huraira zu viele Hadithe erzählt, aber zu Allah ist die Rückkehr. Die Leute sagen auch, dass die Muhadschirun (Auswanderer aus Mekka nach Medina) und die Ansar (die zwei einheimischen Stämme Aus und Khasradsch in Medina, welche sich dem Propheten angeschlossen haben) nicht so erzählen, wie er es tut. Gewiss, meine Genossen unter den Muhadschirun waren immer mit Kaufen und Verkaufen auf dem Markt beschäftigt, während meine Genossen unter den Ansar mit ihren Besitztümern zu tun hatten. Anderseits war ich ein Bettler und blieb dicht am Propheten Gottes – gerade dass ich meinen Bauch füllen konnte. So war ich beim Propheten, wenn sie abwesend waren; ich behielt mein Gedächtnis, während sie vergaßen. Und eines Tages sagte der Heilige Prophet: "Niemand von euch sollte seinen Mantel anziehen, bis ich die jetzige Predigt beendet habe; dann sollte er das Gehörte an seine Brust legen, so dass er nichts meiner Predigt vergisst." So breitete ich meinen Flickenmantel aus, da ich kein anderes Tuch hatte, und ich blieb sitzen, bis der Heilige Prophet seine Predigt beendet hatte; und dann legte ich das Gehörte und den Flickenmantel auf meine Brust. So, bei Dem (Gott), Der ihn (den Propheten Muhammad) mit der Wahrheit sandte, ich vergaß gar nichts von jener Rede bis auf den heutigen Tag. Bei Allah, nur wegen zweier Verse des Heiligen Qur'an habe ich euch überhaupt etwas erzählt, nämlich (Sure 2, Vers 159-160): "Diejenigen, welche die deutliche Lehre verheimlichen, auch die Rechtleitung, welche Wir (Gott) offenbart und die Menschen deutlich in der Schrift gelehrt haben..... usw. ...... denn Ich (Gott) bin vergebend und barmherzig."
Offensichtlich musste Abu Huraira dieses Hadith erfinden, um jene zu besänftigen, die ihm bezüglich der Unmenge wie der Inhalte seiner Hadithe der Lüge ziehen. Aber sicherlich ist dieses Hadith das Schlimmste der erfundenen Hadithe und am weitesten von der Wahrheit entfernt. Eigentlich sollte es nicht notwendig sein, darüber überhaupt nachzusinnen, aber aufgrund der Tatsache, dass die beiden großen Hadith-Sammler es in die echten Hadithe eingegliedert haben, ganz offensichtlich im Einklang mit ihren guten Meinungen über die Prophetengefährten als Ganzes, wiewohl sie damit gegen die Vernunft wie auch gegen die Wahrhaftigkeit verstießen, soll diese Überlieferung daher diskutiert werden. Es gibt mehrere Gründe, dieses Hadith Abu Hurairas für inkorrekt zu halten.
Erstens, Abu Huraira behauptete, dass Kaufen und Verkaufen auf dem Markt (in Medina) die Muhadschirun vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) fern hielten, während die Beschäftigung der Ansar mit ihren Besitztümern sie gleicherweise fern hielt. Aber welchen Wert hat diese Aussage angesichts der klaren Aussage des Heiligen Qur'an: "Es gibt Leute, die weder durch Kauf noch Verkauf vom Gottesgedenken abgelenkt werden."? Glaubt Abu Huraira in einem Anfall von Größenwahn, dass nur er mit diesem Vers gemeint war?
Welch eine Verdrehung der Tatsachen, dass Abu Huraira sagt, dass er immer beim Heiligen Propheten (s.) blieb, während die Oberhäupter alle abwesend waren! Und er spricht derart ohne die geringsten Gewissensbisse und Skrupel, denn er spricht derart erst in der Regierungszeit Muawiyas, als Omar, Osman, Ali, Talha, Zubair, Salman Farsi, Ammar, Miqdad, Abu Dhar und ihresgleichen nicht mehr anwesend waren. Gewiss hat er hier jegliche Grenze von Glaubhaftigkeit überschritten. Wie weit ist das von der Wirklichkeit entfernt?! Die Leute kannten sehr gut Alis (a.) Position zum Heiligen Propheten (s.): Seine nahe doppelte Verwandtschaft, seinen außerordentlichen Rang, dass er als kleiner Junge in den Armen des Propheten war, dass er auf dem Bett des Propheten liegen durfte, so dass beide Körper sich berührten und Ali (a.) den Geruch des Propheten roch; und der Heilige Prophet (s.) kaute die Speisen vor und fütterte damit das Baby Ali (a.). So fand man keine Lüge im Wort und keine Fehler in Tun Alis (a.). Gott stellte Ali (a.) direkt neben den Heiligen Propheten Muhammad (s.), der die Verkörperung des hohen Charakters und des edlen Verhaltens war; und bereits der junge Ali (a.) folgte immer dem Propheten Gottes Muhammad (s.), wie ein junges Fohlen in den Fußspuren seiner Mutter läuft. Der Heilige Prophet Muhammad (s.) führte ihn jeden Tag höher und höher an Wissen und Verhalten und befahl ihm die Nachfolge seiner Person. In jenen Tagen waren beim Heiligen Propheten Muhammad (s.) nur zwei Individuen ständig zugegen, nämlich Ali und Khadidscha, die Mutter der Gläubigen. So sah Ali (a.) das Gotteslicht der Offenbarung und roch den Geruch des Propheten. Zusätzlich zu diesen Auszeichnungen war er auch das Tor zum Wissen des Heiligen Propheten Muhammad (s.); er war der intelligenteste der Muslime; er war die Lagerstätte der Geheimnisse des Heiligen Propheten Muhammad (s.); er war der Erbe seiner Befehle, der Hüter seiner Sorgen, er besaß aufmerksame und gelehrige Ohren; Ali (a.) hatte das Wissen über das Buch. War es für solch eine Persönlichkeit möglich, irgendetwas von den Taten und Worten des Heiligen Propheten Muhammad (s.) zu vergessen, was Abu Huraira angeblich im Gedächtnis bewahrte, oder konnte Ali (a.) irgend etwas der Taten und Worte des Propheten verbergen, während Abu Huraira sie angeblich enthüllte? Dies wäre tatsächlich eine große Anschuldigung. Aber selbst, wenn man das Tor zur Stadt des Wissens Ali (a.), wie ihn der Prophet nannte, einmal beiseite lässt, wie viele große und großartige Gefährten hatte der Prophet, die mitunter die vier- bis fünffache Zeit länger bei ihm waren und sowohl vom Intellekt als auch von ihrer Stellung in der Gesellschaft viel besser die Prophetenworte wiedergeben konnten!
Weiterhin ist folgendes zu beachten: Unter den Muhadschirun (Zuwanderer nach Medina) gab es sehr wenige, die sich mit Kauf und Verkauf auf dem Markt beschäftigten. Es gab beispielsweise Abu Dhar, Miqdad, Ammar und die siebzig Männer der Suffa (Obdachlose in der Moschee zu Medina), die alle Zeitgenossen Abu Hurairas waren, und die, wie von ihm selbst erwähnt, nur Fetzen am Leibe trugen, während Abu Huraira selber immerhin ein Lendentuch und einen Mantel hatte. Wie soll man dann glauben, warum diese Männer nicht Hadithe in der Menge wie Abu Huraira erzählten, obwohl sie schon viel früher zum Propheten stießen. Und in der Tat, die Gesamtsumme der Hadithe all dieser Männer zusammen ist geringer als die speziellen Hadithe Abu Hurairas alleine.
Das gleiche gilt für die Lage der Ansar. Nicht alle von ihnen waren Männer des Reichtums und des Besitzes, wie Abu Huraira behauptet. Unter den mittellosen Ansar waren u.a. Abu Ayyub Ansari, der nichts an irdischen Gütern außer ein paar Schlappen hatte, was ihm vom Wissen oder tugendhaften Taten fernhalten konnte. Desgleichen war die Lage bei Abu Said Khudri, Abu Fasalatul Ansari und anderen ihresgleichen, die alle zu Gelehrten und Oberhäuptern der Ansar gerechnet wurden.
Man sollte auch daran denken, dass die Zeit des Heiligen Propheten (s.) nicht planlos vergeudet wurde, sondern all seine Stunden bei Tage und bei Nacht waren für bestimmte Werke ordentlich bemessen. So hatte er für die Verkündigung des Wissens eine bestimmte Zeit festgesetzt, die sich weder mit Handelsgeschäften auf dem Markte, noch mit der Beschäftigung der Vermögensangelegenheiten überlappte. Dementsprechend verfehlten weder die Muhadschirun noch die Ansar jemals diese Zeit, da sie viel wissbegieriger waren als es sich törichte Leute vorstellen können.
Zweitens, wenn das Wort das Heiligen Propheten (s.): "Wer immer den Mantel (als Sitzdecke) ausgebreitet hat, bis meine Rede beendet ist....." wahr wäre, wie Abu Huraira behauptet, würden sie alle mit Eifer dem Propheten zugelaufen sein, denn Lorbeeren können nicht durch bloßes Reisen erlangt werden, noch kann klares Wissen durch bloßes Geldausgeben gewonnen werden. Überdies, was sollte sie denn daran hindern, Wissen zu erwerben? Warum sollten sie den Mantel zum Weggehen wieder anziehen, wenn sie (die Sahaba) Wissen erwerben wollten? Warum hätten sie schon während der Predigt verschwinden sollen, wenn sie doch Wissen suchten und begierig nach dem waren, wozu der Heilige Prophet (s.) sie einlud? Es ist undenkbar, dass die Prophetengefährten (Sahaba) schon während seiner Predigt verschwanden, besonders da sie alle sehr eifrig waren, den Befehlen des Heiligen Propheten (s.) zu gehorchen und eilends das zu tun, wozu er sie aufrief!?
Drittens, wenn Abu Hurairas Hadith wahr wäre, so hätten die Prophetengefährten tiefste Reue und tiefste Scham empfunden, weil ihnen eine große Auszeichnung entgangen wäre und weil sie auf volles Wissen verzichtet hätten. Sie hätten beständig getrauert, nicht auf ihren ausgebreiteten Mänteln (als Sitzdecke am Boden) sitzen geblieben zu sein, um sich die Predigt des Propheten ganz anzuhören, wiewohl das Sitzen bleiben und Zuhören ja keine Mühe und Arbeit bedeutete. In der Tat, hätten sie sich gegenseitig den Fehler vorgeworfen und hätten sich gegenseitig kritisiert, nicht sitzen geblieben und zugehört zu haben. Zugleich wären sie neidisch auf Abu Huraira gewesen, der sie offenbar als einziger übertrumpft hätte, wiewohl er nur einen einzigen Mantel hatte, während einige zwei oder mehr Roben hatten.
Viertens, wenn die Tatsache so gewesen wäre, wie Abu Huraira erzählte, so hätten diese, die der Heilige Prophet Muhammad ansprach, darüber berichtet, dass (viele oder alle) Prophetengefährten nicht auf ihren ausgebreiteten Mänteln (als Sitzdecke am Boden) sitzen blieben und schon während der Predigt verschwanden. In der Tat, sie hätten diese Geschichte als eines der Zeichen des Prophetentums betrachtet, als besonderes Merkmal des Islam und als Argument zugunsten der Religion. Hadithe über diesen Vorfall wären vielfältig gewesen, und sie wären offenkundig geworden wie die Mittagssonne. Da derartige Hadithe über den angeblichen Vorfall nicht existieren, haben wir es mit einem Lügenmärchen Abu Hurairas zu tun.
Fünftens, es gibt eine Variante in der Erzählung dieses Vorfalls durch Abu Huraira selber. Gemäß des Berichts von A’radsch, der im Sahih-Werke Bucharis, Band 2, Seite 34, zu finden ist, erzählte Abu Huraira, dass der Heilige Prophet Muhammad (s.) eines Tages zu seinen Gefährten sagte:
"Wer auf seinem ausgebreiteten Mantel (als Sitzdecke am Boden) sitzen bleibt und meine Rede ganz anhört und dann erst aufsteht und den Mantel anzieht, wird für immer gar nichts meiner Predigt vergessen." So breitete ich (Abu Huraira) meinen Flickenmantel aus – denn ich hatte kein anderes Gewand – und ich blieb sitzen und hörte zu, bis der Heilige Prophet seine Predigt beendet hatte, und erst dann stand ich auf und zog den Flickenmantel über meinen Leib. Bei Dem (Gott), Der den Propheten mit der Wahrheit schickte, bis heute habe ich gar nichts von der Predigt des Propheten vergessen.
An anderer Stelle, wie von Magbari berichtet, erzählt Abu Huraira dieses Hadith so: Ich (Abu Huraira) sagte:
"O Prophet Gottes, ich lauschte einer Rede von dir und vergaß sie." Der Prophet sagte: "Breite deinen Mantel aus!" Dann bewegte er seine Hand über den ganzen Mantel, und dann sagte er: "Zieh den Mantel an." Ich zog den Mantel an und danach vergaß ich nichts.
Nun, gemäß der von A’aradsch berichteten Version war die Sache zwischen dem Heiligen Propheten und seinen Gefährten so, dass der Heilige Prophet (s.) alle Leute aufrief, auf ihren ausgebreiteten Mänteln (als Sitzdecke am Boden) sitzen zu bleiben und zuzuhören, da er ihre Vergesslichkeit befürchtete; aber in der von Magbari berichteten Version war die Sache zwischen Abu Huraira als Einzelnen und dem Heiligen Propheten (s.): Abu Huraira klagte dem Heiligen Propheten (s.) seine Vergesslichkeit. Weiterhin deutet die Version durch A’aradsch auf das Nichtvergessen jener besonderen Predigt des Heiligen Propheten (s.), aber die durch Magbari berichtete Version deutet auf das Nichtvorhandensein von Vergesslichkeit allgemein, d.h. für jede Sache, sei es nun ein Hadith oder etwas anderes.
Es gibt aber noch eine andere Version dieses Hadith Abu Hurairas. Muslim berichtete in seinem Sahih-Werk, Band 2, Seite 358, von Ibnul Masayyab, wonach Abu Huraira gesagt haben soll:
"Nach diesem Tage vergaß ich gar nichts, was der Heilige Prophet mir erzählte."
Diese Version spricht über größere Befreiung von der Vergesslichkeit als die Version durch A’aradsch, aber weniger als jene durch Magbari.
Dann gibt es die Version durch Ibn Sad in seinem Buche Tabaqat, Band 4, Seite 56, gestützt auf Amr bin Mardas bin Abdur Rahmanal Dschundi, wonach Abu Huraira gesagt haben soll:
Der Prophet Gottes sagte zu mir: "Breite deinen Mantel aus!" So breitete ich meinen Mantel aus. Dann erzählte mir der Prophet den ganzen Tag. Dann zog ich meinen Mantel an, und ich vergaß gar nichts von dem, was der Prophet mir erzählt hatte.
Hier ist bemerkenswert, dass die Worte: "Dann erzählte mir der Prophet den ganzen Tag" nur in dieser Version auftauchen und in keiner anderen.
Das Buch Isabah von Ibn Hadschar enthielt noch eine andere Version dieses Hadith Abu Hurairas zusammen mit den anderen, wonach Abu Huraira zum Heiligen Propheten (s.) gegangen sein soll, um ihn in seiner Krankheit zu sehen. So grüßte er stehend den Heiligen Propheten (s.), und dieser lehnte sich gegen die Brust Alis (a.), dessen Hand auf der Brust des Heiligen Propheten (s.) lag, und er winkte ihn zu sich. Die Beine des Heiligen Propheten (s.) waren ausgestreckt. Der Heilige Prophet (s.) sagte:
"Komm noch näher, o Abu Huraira!" Und Abu Huraira trat noch näher heran. Der Prophet sagte wiederum: "Komm noch näher, o Abu Huraira!" Und Abu Huraira trat noch näher heran. Der Prophet sagte wieder: "Komm noch näher, o Abu Huraira!" Und Abu Huraira trat noch näher heran. Der Prophet sagte wieder: Dann trat Abu Huraira noch näher heran, bis seine Finger die Finger des Heiligen Propheten (s.) berührten. Dann sagte der Prophet zu Abu Huraira: "Setze dich nieder!" So setzte sich Abu Huraira nieder. Dann sagte der Prophet: "Reiche mir deinen Mantel!" Abu Huraira öffnete den Mantel, zog ihn aus und breitete ihn neben dem Heiligen Propheten (s.) aus. Der Heilige Prophet (s.) sagte dann zu Abu Huraira: "Soll ich dir eine Verhaltensweise erzählen, die du dein ganzes Leben lang nicht aufgeben solltest?" Abu Huraira sagte: "Erzähle mir." Dann sagte der Prophet: "Du solltest am Freitag ein Bad nehmen, und zwar frühmorgens; und du solltest dich nicht Frivolitäten hingeben. Und ich rate dir, für drei Tage im Monat zu fasten, was dem Fasten das ganze Jahr lang gleich kommt. Und ich rate dir, beiden Rakat im Morgengebet zu machen und sie nie zu verfehlen, selbst wenn du die ganze Nacht hindurch beten solltest, denn diese zwei Rakat haben viele hervorragende Merkmale." Der Heilige Prophet (s.) wiederholte das dreimal. Dann sagte er: "Zieh deinen Mantel wieder an!" So zog Abu Huraira seinen Mantel wieder an.
Gemäß Abu Hurairas Erzählung durch Ibn Hadschar im Buche "Isaba" berichtete Abu Yala, gestützt auf Walid bin Dschami, dass Abu Huraira gesagt haben soll:
Ich beklagte mich beim Propheten Gottes über mein mangelndes Gedächtnis. Da sagte der Prophet: "Zieh deinen Mantel wieder an!" Ich (Abu Huraira) zog den Mantel wieder an. Danach vergaß ich kein Wort des Propheten."
Wiederum, gemäß dem Buche "Isaba" von Ibn Hadschar berichtete Abu Yala, gestützt auf Yunus bin Ubaid, dieser gestützt auf Hasan Basri, dieser gestützt auf Abu Huraira, der den Propheten Gottes (s.) sagen lässt:
"Wer nimmt von mir einen Satz oder zwei Sätze oder drei Sätze meiner Rede, um sie zu binden und dann (im Volke) zu verbreiten?" Daraufhin breitete ich meinen Mantel vor dem Propheten aus, während er sprach. Dann zog ich den Mantel wieder an. So hoffte ich, gar nichts von dem zu vergessen, was der Prophet sprach.
Imam Ahmad berichtete ebenfalls diese obige Version des Hadith Abu Hurairas.
Abu Naim berichtete in seinem Buche "Hilyatul Awlia", Seite 381, gestützt auf Abdullah bin Abi Yahya, dieser gestützt auf Said bin Abi Hind, dieser gestützt auf Abu Huraira, der den Heiligen Propheten (s.) sagen lässt:
"Abu Huraira, willst du von mir nicht die wertvollen Dinge erbitten, die deine Genossen erbitten?" Ich sagte: "Ich bitte dich: Lehre mich das, was Allah dich gelehrt hat." Dann nahm ich den Flickenmantel von meinem Leibe und breitete ihn zwischen mir und dem Propheten aus. Es ist, als könnte ich noch jetzt die Läuse bemerken, die sich auf dem Mantel bewegten. Dann erzählte mir der Heilige Prophet, und ich hörte ihm aufmerksam zu. Dann gebot er mir, den Mantel aufzuheben und ihn wieder anzuziehen. Folglich vergaß ich kein Wort von dem, was der Prophet mir erzählte.
Nun wer immer diese Hadithe Abu Hurairas in all ihren Versionen untersucht, wie sie durch die verschiedenen Erzählerketten weitergereicht werden, wird finden, dass die Hadith bei jeder Erzählerkette im Wort wie auch im Sinne differiert, und er wird beobachten, dass weder Wort noch Sinn zu einem einzigen Ziel führen, noch bewegen sich Wort und Sinn in eine einzige Richtung, da sich die Versionen einander widersprechen. Das Hadith Abu Hurairas ist daher offenkundig nicht korrekt. Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen all den Versionen besteht darin, ob das Ereignis alleine oder mit mehreren Personen war. Besondere Auszeichnungen von Gefährten durch den Propheten erfolgten entweder immer in Anwesenheit von Zeugen, damit diese es verbreiten konnten, oder der Prophet selbst erzählte es möglichst vielen, denn sonst hätte die Auszeichnung im Geheimen wenig Sinn gehabt. Obige Überlieferung hat aber außer Abu Huraira niemand mitbekommen! Wenn sich hingegen das Ereignis unter vielen abspielt, dann ist es umso erstaunlicher, dass niemand davon berichtet!
Sechstens, Abu Huraira sagte: "So breitete ich meinen Flickenmantel aus, da ich kein anderes Kleid bei mir hatte."
Dies bedeutet, dass er nackt da saß oder sich nackt hinstellte. Diese Position ist sicherlich nicht annehmbar. Um diese Position zu vertuschen, versuchten Qastalani und Sakaria Ansari in ihren Kommentaren, sie so zu interpretieren, als habe Abu Huraira nur einen Teil seines Flickenmantels (gemeint ist wohl ein Umhang) ausgebreitet. Dies wird jedoch durch Abu Hurairas eigene Worte nicht gestützt.
Sechstens, in ihrem eigenen Gewebe ähnelt die in dem betrachteten Hadith Abu Hurairas geschilderte Geschichte den Fabeln, die von unwissenden Männern allgemein gesponnen werden, und es zeichnet sich nicht einmal als Produkt eines bösen Genies aus. Auf jeden Fall kann dieses Hadith überhaupt nicht zu den Wundern des Heiligen Propheten Muhammad (s.) gerechnet werden.
Der Charakter der tatsächlichen Wunder des Propheten soll im folgenden als Kontrast zu den Möchtegernwundern aufgezeigt werden, die Abu Huraira miterlebt haben will. Dabei wird dann auch deutlich, dass es jemand anderen gab, der kein einziges Prophetenwort jemals vergessen hat, und dessen Auszeichnung sollte wohl auch mit einem Märchen Abu Hurairas abgeschwächt werden.
Die großen Wunder des Heiligen Propheten Muhammad (s.) verblüfften sogar die weisesten Menschen mit dem Lichte ihrer Wahrhaftigkeit und demütigten die großen Tyrannen der Erde mit der Vorzüglichkeit ihrer Natur und der Annehmbarkeit des Geschehens, und als Folge davon mussten die Klügsten und Mächtigsten die Wahrhaftigkeit des Propheten und seine Überlegenheit anerkennen.
Im Folgenden sind einige dieser Wunder aufgelistet. Sie zeichnen sich allesamt dadurch aus, dass nicht nur der Betroffene es miterlebt hat, sondern viele Zeugen davon berichten konnten:
Ja, so war es: Wann immer der Heilige Prophet Muhammad (s.) etwas Gutes für jemand wollte, betete er für ihn, und wenn er für jemanden etwas Schlechtes wollte, betete er gegen ihn, wie er sich hinsichtlich Muawiya verhielt, als er sagte: "Gebe Gott, dass Muawiya seinen Bauch nicht gesättigt bekommt." Und das gleiche wünschte der Prophet für Hakam bin Abil Aas.
Auf jeden Fall finden wir keine Tat beim Heiligen Propheten (s.) wie das von Abu Huraira erzählte Hadith, das zu weit entfernt ist von der glänzenden Weisheit des Propheten, durch welche die Augen der Verirrten Licht bekommen konnten.
Wir durchsuchten alle verlässlichen Hadith-Bücher, um Auszeichnungen Abu Hurairas aufzuspüren, falls welche vom Heiligen Propheten Muhammad (s.) erzählt wurden, aber wir fanden keine einzige Quelle für derartige Auszeichnungen, außer dass sich Abu Huraira selber Auszeichnungen zuschreibt, wie aus dem folgenden Beispiel klar wird:
Der Autor des Buches "Istiab" sagt in seinem
Bericht: Abu Huraira konvertierte zum Islam im Jahre der Schlacht zu Chaybar;
mit dem Propheten Gottes beteiligte er sich (angeblich) an der Schlacht zu
Chaybar; und danach klebte Abu Huraira (angeblich) beständig am Propheten, weil
er (angeblich) wissbegierig war; und Abu Huraira war damit zufrieden, nur etwas
zu essen zu haben. So war seine Hand (angeblich) immer in der Hand des Heiligen
Propheten Gottes Muhammad (s.); und Abu Huraira ging immer (angeblich) mit dem
Propheten, wobei immer der Prophet ging. Abu Huraira war (angeblich) immer bei
der Audienz des Propheten, wie kein anderer von allen Muhadschirun und allen
Ansar, denn die Muhadschirun tätigten (angeblich) Marktgeschäfte, und die
Ansar hatten den ganzen Tag mit ihren Besitztümern zu tun (angeblich). Der
Prophet Gottes selber bestätigte Abu Huraira (angeblich), dass er begierig nach
Wissen und dem Prophetenwort sei, wie Abu Huraira zum Propheten gesagt haben
will: "O Prophet Gottes, ich habe von dir eine Menge Aussprüche
gehört, und ich befürchte, dass ich vergessen könnte." Der Heilige
Prophet (s.) sagte (angeblich) zu ihm: "Breite deinen Mantel aus!" Ich
(Abu Huraira) breitete meinen Mantel aus, und der Heilige Prophet (s.) strich
mit der Hand über den Mantel und sagte dann:
"Ziehe den Mantel an!" und danach vergaß ich gar nichts.
Diese Auszeichnungen und dergleichen sind die Texte der Hadithe, die Abu Huraira selber über sich erzählt, und wir konnten keine andere Quelle dafür finden als ihn selber. Das gleiche gilt für alle seine Merkmale, die er sich selber zuschreibt, wie die Gelehrten sehr gut wissen!
Lasst uns die obige Aussage analysieren. Wenn Abu Huraira angeblich im Jahre der Chaybar-Schlacht zum Islam konvertierte, so müsste das durch Hadithe anderer Personen bewiesen werden können. Aber dass Abu Huraira angeblich an der Chaybar-Schlacht mit dem Heiligen Propheten Muhammad (s.) teilnahm, finden wir ausschließlich nur in den Hadithen Abu Hurairas, und die Gelehrten konstruierten seine Behauptungen, er wäre bei der Chaybar-Schlacht dabei gewesen in verschiedener Art.
Was sein Kleben am Heiligen Propheten Muhammad (s.) anbelangt und sein fortgesetztes Kleben, weil er angeblich das Lernen liebte und zufrieden blieb, gerade genug zu essen zu haben und dass seine Hand in der Hand des Heiligen Propheten Muhammad (s.) war, dass er den Heiligen Propheten Muhammad (s.) überallhin begleitete – all das sind Sachen, die nur Abu Huraira berichtete, aber die Beweislast liegt bei ihm. Diesbezüglich sagte Abu Huraira:
"Ich kam nach Medina, während der Prophet Gottes in Chaybar war, und damals war ich mehr als dreißig Jahre alt. So blieb ich bei ihm bis zu seinem Tode. Ich pflegte ihn in die Häusern seiner Frauen zu begleiten. Ich arbeitete als sein Diener. Ich kämpfte in den Schlachten gemeinsam mit ihm, und ich machte die Hadsch mit ihm. Ich übertraf alle Leute im Wissen seiner Worte und Taten. Bei Allah, es gab Leute, die mehr in seiner Gesellschaft waren als ich, aber da sie meine Nähe zu ihm kannten, fragten sie mich immer über seine Taten und Worte. Unter diesen Leuten waren Omar, Osman, Ali, Talha, Zubair."
Abu Hurairas Unverschämtheit, solch ein Hadith zu erzählen, ist wirklich überraschend, denn dieses Hadith steht entgegen den Tatsachen und ist weit von der Wahrheit entfernt. Aber jene, welche die Tatsachen sehr gut kennen, wissen auch, dass er Hadithe nicht in den Tagen der Ältesten, der Gelehrten und der Großen der Gesellschaft erzählen konnte. Es war erst nach dem Tode der meisten Prophetengefährten und nach der Eroberung anderer Länder, wie Syrien, Irak, Ägypten, Nordafrika, Ostanatolien, Kaukasus und Iran, als die Zahl der Prophetengefährten dezimiert war, während die Anzahl solcher Muslime der eroberten Gebiete zunahm, die nicht in den Tagen des Heiligen Propheten gelebt hatten, dass Abu Huraira den Mut fasste, Hadithe zu erzählen. Das war tatsächlich die Zeit, in der alle Lügner sich in einer neuen Welt insgesamt fanden, worin nur wenige die Lage der frühen Tage des Islam kannten. Sie fanden heraus, dass die neuen Muslime im Geiste der Verehrung nahezu alles akzeptierten, was sie von diesen Lügnern hörten. Denn für die neuen Muslime repräsentierten diese Lügner die letzten übriggebliebenen Hüter der frommen Taten des Propheten und Treuhänder seiner Mission, die für die weitere Verteidigung verantwortlich wären.
Zur gleichen Zeit unternahm die omayyadische Herrschaft alle Anstrengungen, diese Lügner zu unterstützen, und unter diesen Umständen ermunterte sie diese Lügner, alle Sorten an falschen und unhaltbaren Hadithen zu erzählen, selbst wenn diese Hadithe dem islamischen Gesetz widersprachen oder für die Vernunft nicht annehmbar waren, oder voller Obszönität und Falschheit waren, so wie es den omayyadischen Zielen und dem Diktat ihrer despotischen Politik entsprach. Denn die Omayyaden nahmen die Religion Allahs als Maske, behandelten alle Kreaturen Gottes als Knechte und das Eigentum Gottes als ihren persönlichen Besitz. Auf diesem Wege diente dieser Lügenhaufen als Werkzeug für diese teuflischen Herrscher. Die omayyadischen Herrscher ihrerseits finanzierten die Lügner und gebrauchten freizügig alle Mittel der despotischen Macht, um die Lügner zu unterstützen, denn diese Lügner erwiesen sich als dienende Glieder, d.h. als Zungen für die omayyadischen Behauptungen und als Augen für all ihre beabsichtigten Pläne. Es ist offensichtlich für solche Leute, dass der Heilige Qur'an sagt (Sure 2, Vers 79):
Wehe denen, welche die Schrift mit eigenen Händen schreiben und geringen Gewinns wegen sagen: Dieses ist von Allah.
Bei Gott, man wundert sich über die hervorragenden Hadith-Sammler Buchari, Muslim, Ahmad bin Hanbal und andere ihrer Kategorie, die angeblich Vernunft walten ließen, und doch verbeugten sie sich wie tölpelhafte und törichte Leute vor dem, was Abu Huraira und seinesgleichen wollten. So viele Fragen drängen sich hier dem Geiste auf. Zum Beispiel:
| Hatten diese Hadith-Experten den Mut, herauszufinden, wann Ali (a.), Omar, Osman, Talha, Zubair und andere unter den hochrangigen Vorgängern jemals irgendetwas von Abu Huraira erfragten? | |
| Welche Hadithe erfragten sie von Abu Huraira? | |
| Wer anderes als Abu Huraira hat über eine behauptete Sache noch erzählt? | |
| Welcher Autor der großen Bücher erwähnte die Leute, die Abu Huraira kritisierten? | |
| Warum verließen sich die Autoren auf Abu Hurairas Hadithe? |
Tatsache ist, dass Abu Huraira niemals Hadithe erzählte, wenn große Prophetengefährten dabei waren. Er hatte gar nicht den Mut, in ihrer Gegenwart Hadithe zu erzählten. Anderseits, die großen Prophetengefährten behandelten Abu Huraira geringschätzig und nannten ihn einen Lügner, wie es auf früheren Seiten abgehandelt worden ist.
Wie wir auf früheren Seiten gesehen haben, sind Abu Hurairas Auszeichnungen angeblich die folgenden:
Im Lichte der Analyse all dieser angeblichen Auszeichnungen, wie es auf früheren Seiten dargelegt wurde, kann man nur darüber lachen und muss gleichzeitig auch weinen. In solch einer tragischen Situation können wir nur den Vers des Heiligen Qur'an rezitieren: "Wir sind von Allah und zu ihm müssen wir zurückkehren. (Inna lillahi wa inna ilayhi radschi'un)
Abu Huraira traf der Tod in seiner Villa zu Abug. Der Leichnam wurde dann nach Medina geschafft, wo die Söhne des dritten Kalifen Osman bin Affan den Sarg bis zum Friedhof Baqi trugen; damit ehrten sie die Dienste Abu Hurairas für ihren Vater. Das Begräbnisgebet verrichtete Walid bin Utba bin Abu Sufyan, der damals Gouverneur zu Medina war, da Marwan abgesetzt war. Walid sprach das Begräbnisgebet, nachdem er beim Nachmittagsgebet für das Volk Vorbeter war. Bei den Anwesenden waren Ibn Omar, Abu Said Khudri und ihresgleichen.
Walid schrieb dann an seinen Onkel, an den Kalifen Muawiya (in Damaskus), und informierte ihn über den Tod Abu Hurairas. Muawiya schrieb darauf zurück:
"Finde seine Erben heraus und zahle ihnen zehntausend Dinare, kümmere dich um seine Freunde und Verwandten, und sei gut zu ihnen, denn Abu Huraira war bei den Helfern Osmans und war in seinem Hause."
Abu Hurairas Tod war im Jahre 57 nach Hidschra (etwa 677 n. Chr.) oder gemäß anderer Auffassung im Jahre 58 nach Hidschra, oder nach einer weiteren Auffassung im Jahre 59 nach Hidschra. Sein Alter war dementsprechend ca. 78 Jahre
Unter seinen Erben sind bekannt sein Sohn Muharrir bin Abu Huraira und seine Tochter, zu der er zu sagen pflegte: "Sage (zu den Leuten), mein Vater erlaubte mir nicht, Goldschmuck zu tragen, da er die Flammen des Höllenfeuers fürchtet." Man weiß auch, dass Abu Huraira einen Enkel namens Naim hatte. Naim ist es, der behauptete, sein Großvater (Abu Huraira) hätte eine Gebetskette mit tausend Kugeln gehabt, und der Großvater ging erst dann zu Bett, wenn er mit Hilfe der Gebetskette tausend fromme Losungen gesprochen hatte.
Noch eine Geschichte erzählt von Muharrir: Jemand habe den Heiligen Propheten Muhammad (s.) gefragt: "Was rätst du mir, welches Geschäft ich betreiben sollte?" Der Heilige Prophet sagte: "Du solltest mit Tuch handeln, denn es gefällt einem Tuchhändler, wenn die Leute schick und modern angezogen sind."
Ibn Sa’ad erwähnte Muharrir in seinem Buche Tabaqat und zeigte seine Abstammung vom Stamm der Dus. Muharrir starb während des Kalifats von Omar bin Abdul Aziz. Er galt als sehr wortkarg.
Im folgenden eine Kurzerläuterung einiger Begriffe, die im Text verwendet wurden.
Bani Omayya: Der Stamm und die Nachkommenschaft Omayyas, bekannt als die Omayyaden, einschließlich der Linie der Kalifen, angeführt von Muawiya, der nach der Ermordung Alis (a.) und nach dem erzwungenen Abkommen mit Imam Hassan (a.) an die Macht kam.
Be'sat: Beginn des Prophetentums des Heiligen Propheten Muhammad (s.) auch als "Berufung" übersetzt.
Dinar: Eine Goldmünze; zwanzig Dirhams sind einen Dinar wert.
Dirham: Eine Silbermünze.
Fiqh: Sammelname für das Recht und die Gesetze des Islam über verschiedene Bereiche.
Fitra: Eine Pflichtsteuer, die jeder Muslim, der dazu in der Lage ist, am Vorabend des Fitr-Feiertages (Ramadan-Fest) am 1. Schawwal zahlen muß.
Hadsch: Pilgerfahrt zur Kaaba, dem Hause Allahs in Mekka, mit verschiedenen Ritualen.
Hanafi: Die Hanafiten stellen die größte Gruppe unter den (sunnitischen) Muslimen dar. Sie bilden eine Rechtsschule im Islam, die der Interpretation der islamischen Gesetze durch Abu Hanifa Numan bin Sabit folgt.
Dschunub (nominative Form von Dschanabah): Der Zustand eines Menschen nach dem sexuellen Verkehr oder nach Samenerguß, bevor er das rituelle Bad nimmt, das Pflicht ist.
Ayat-ul-Kursi, Thron-Vers: Jener Vers im Heiligen Qur'an, in dem das Wort Kursi (Thron Gottes) genannt wird.
Qunut: Jener Teil des Gebets, in dem der Betende Allah um die Gewährung bestimmter Gunst bittet, so Gott will.
Rakat: Die Teile, in die jedes Pflichtgebet gegliedert ist. Ein Rakat (eine Gebetseinheit) besteht gewöhnlich aus dem Stehen für eine Weile, aus der Verbeugung (Ruku), aus zwei Niederwerfungen (Sadschdas) und aus dem Sitzen für eine Weile, begleitet von vorgeschriebenen Rezitationen.
Schahadatain: Aussprechen von zwei Bekenntnissen zur Annahme des Islam, nämlich: Kein Gott außer Gott! Muhammad ist der Gesandte Gottes!
Tasbih: Lobpreisung Gottes. Die Tasbih-Kette hat gewöhnlich hundert Kugeln, aufgereiht an einem Faden. Die Tasbih-Kette wird benutzt, wenn fromme Losungen zum Gotteslob und Gottespreis mehrfach gesprochen werden, vergleichbar dem Rosenkranz.
Umma oder Ummah: Die Gemeinschaft, die einem Propheten nachfolgt. Die Muslime sind die Ummah (Gemeinde, Gemeinschaft, Anhängerschaft) des Heiligen Propheten Muhammad (s.). Folglich gilt der Begriff Ummah für die Muslime als Ganzheit.
Umm-ul-Mu'minin: Die Mutter der Gläubigen. Dieser Titel wurde jeder Ehefrau des Heiligen Propheten Muhammad (s.) gegeben.
Wudhu: Die rituelle Waschung in einer vorgeschriebenen Weise, z.B. als Voraussetzung für das Pflichtgebet.
Zakat: Islamische Steuer für karitative Zwecke.